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Alternativ Treibstoff für Boote: LPG
Der Trend setzt sich fort. Während LPG auf der Straße seinen Siegeszug längst angetreten hat, ist schon jetzt zu beobachten, dass auch auf dem Wasser die LPG-Erfolgsgeschichte weiter geschrieben wird. Zwar werden die gängigen, modernen Marine-Diesel immer sparsamer, doch gibt es noch genügend Boote, für die sich eine Umrüstung durchaus lohnt,
denn bei Verbrauchswerten von 30 bis zu 100 Litern pro Stunde setzten die hohen Preise für Benzin und Diesel dem maritimen Freizeitvergnügen pekuniäre Grenzen.
Jahrelange Erfahrung
Auch hier hat die Lösung nur drei Buchstaben: LPG.
Was sich in den Niederlanden und jenseits des Kanals in England schon
seit Jahren entwickelt, schwappt jetzt auch in das restliche Europa
über.. Einer der Pioniere in Deutschland ist die Hamburger
Propan-Gesellschaft mbH. Axel Briesemeister betreut die Sparte „Propan
Marine“. Neben einer selbst entwickelten Lösung zur Umrüstung von
Booten verfügt er über einen Katalog von Umrüstern, die sich auf den
Flüssiggaseinsatz in Booten spezialisiert haben und liefert natürlich
auch gleich die Tankstellen sowie den Treibstoff dazu. Die Gewinner
sind in erster Linie die Bootseigner, die erhebliche finanzielle
Vorteile genießen.
Kostengünstiger Umbau
Bei einem Verbrauch von 30 bis 100 Litern pro Stunde hat sich eine Umrüstung auf Flüssiggas schnell amortisiert, zumal sich je nach Bootstyp die Kosten in Grenzen halten. In der überwiegenden Zahl der Boote sorgen noch Vergaser für die Gemischaufbereitung, so das die altbewährte und preiswerte Venturitechnik zum Einsatz kommen kann. Gelöst werden mussten aber in jedem Fall einige bootsspezifische Probleme. Das größte und schwerwiegendste Problem war die Tatsache, das Boots nun einmal konstruktionsbedingt nach unten, also zum Wasser hin, absolut dicht sein müssen und Flüssiggas, wenn es einmal ungewollt austritt, nicht wie beim Auto einfach entweichen kann sondern sich in der Bilge sammelt und ein zündfähiges Gemisch bildet. Diese Gefahr besteht aber auch insbesondere bei Innenbordern ohne Gasantrieb, wo sich Benzindämpfe im Bereich der Bilge sammeln können. Ein gasdichter Armaturenkasten mit automatischer Entlüftung und eine permanente Motorentlüftung bei der Umrüstung auf Gas schaffen zusätzlich Abhilfe. Hochstabile, speziell für Flüssiggas entwickelte Stahltanks mit seefester Verankerung und Rückschlag- und Rohrbruchventile tragen Sorge, dass selbst bei einem Unfall kein Gas austritt. Dank der Venturitechnik ist die Abstimmung auf die Besonderheiten im maritimen Einsatz kein größeres Problem und ein Umbau schnell vollzogen.
Basis Anlagen aus dem PKW Bereich
Es können größtenteils auch Anlagen Verwendung finden, die im automobilen Bereich eingesetzt werden, nur Teile, die mit Seewasser in Verbindung kommen, müssen besonders korrisionsgeschützt sein. Von der Umrüstung eines Bootes auf Flüssiggas profitiert nicht nur der Eigner durch günstigere Kraftstoffpreise, verringerte Motorengeräusche und eine längere Lebensdauer des Motors, sondern in erster Linie auch die Umwelt. An den Benzintankstellen gelangen bei jedem Tankvorgang je nach Bootstyp (und Skipper) bis zu 3 Liter Benzin in das Gewässer. Bedenkt man, das moderne Marinas teilweise mehrere hundert Boote beherbergen, kommt schon eine erhebliche Menge an hochgiftigem Kraftstoff zusammen, die für schwerwiegende Umweltschäden im Bereich der Tankstellen, insbesondere bei Gewässern mit geringer oder gar keiner Fliessgeschwindigkeit verantwortlich sind.
Umweltfreundliche Lösung
Flüssiggas kann beim Tankvorgang nicht in Gewässer entweichen, da es sich sofort mit Luft vermischt. Es ist bekanntermaßen völlig ungiftig, so dass Flüssiggastankstellen auch in Gewässer-Schutzgebieten aufgestellt werden können. Dank rückstandsloser Verbrennung und im Vergleich zu Benzin und Diesel ein bis zu 80 % geringerer Schadstoffausstoß, der bei der Verbrennung emittiert wird, sorgen für nachhaltigen Umweltschutz. Propan Marine als einer der Wegbereiter dieses neuen Trends gibt nicht nur Hilfestellung bei der Umrüstung, sondern stellt auch Yachthäfen und Vereinen und sogar einzelnen Bootseignern Flüssiggas-Tankstellen zur Verfügung. So unproblematisch wie das Produkt Flüssiggas sind auch die Tankstellen. Sie können direkt am Wasser ohne Schutzverrichtung überirdisch aufgestellt werden und sogar in Wasserschutzgebieten ist eine Aufstellung auf Pontons erlaubt.
Tankstellennetz wird ausgebaut
Ein Tankautomat mit EC- oder Flottenkarte kann integriert werden, so dass die öffentliche Versorgung auch in Selbstbedienung sichergestellt ist. Tankstellen für Flüssiggas gibt es bereits in Lübeck, Rechlin, Havelberg, Hamburg und Konstanz, das Betreibernetz dürfte aber weiter anwachsen, da auch hier, ähnlich wie im automobilen Bereich, ständig neue Umrüstfirmen und Tankstellenbetreiber auf den Markt kommen. Wie stark die Bewegung auch in diesem Marktsegment fortschreitet, mag man auch daran ermessen, das zur Zeit an einer EU-Richtlinie für den Antrieb von Flüssiggas in Booten gearbeitet wird.
20 Tankstellen in Kroatien geplant
Auch die Adria-Anrainer rüsten derzeit schon entsprechend auf. Neben Italien scheint Flüssiggas jetzt auch seinen Siegenszug in Kroatien fortzusetzen. Im Land des EU-Beitrittskandidaten hat man schon im automobilen Bereich erfolgreich auf Autogas gesetzt, jetzt zieht der Bootssektor nach. Einige Marinas, allen voran Novigrad im Norden der kroatischen Halbinsel Istrien, verfügen schon über Wassertankstellen für Flüssiggas und entlang der Küste sind noch über 50 weitere Stationen geplant, so dass hier demnächst sogar schon von einer flächendeckenden Versorgung gesprochen werden kann. Staatliche Institutionen setzen den umweltfreundlichen Kraftstoff schon länger ein – kein Wunder, denn ein Liter Flüssiggas (in Kroatien LPG; GPL oder Autoplin) kostet gerade einmal 46 Cent, der Liter Benzin mehr als das Dreifache. Auch der Süden Deutschlands rüstet derzeit kräftig auf.
Treibstoffkosten 60% geringer
So haben im Juni 2008 die Progas, einer der bedeutendsten Flüssiggasversorger Deutschlands und die MIZU Technology in Konstanz eine Seetankstelle zur Flüssiggasbetankung von Booten am Bodensee eröffnet. 2,9 Tonnen, bzw. ca. 6000 Liter Gas fasst die erdgedeckte Konstruktion des Tanks. Und dass die Tankstelle auch künftig genügend Zuspruch erhält, dafür will die Firma MIZU sorgen. MIZU steht für Michael Zupritt, dem Firmeninhaber des 1986 gegründeten Unternehmens mit Hauptsitz in Hitzingen. In seiner High-Tech-Schmiede entstehen umweltschonende und sparsame Umrüstsätze für benzinbetriebene Bootsmotoren.
Modifizierungen für den Marine-Bereich
Hauseigene Motorenprüfstände ermöglichen es ihm, alle relevanten Messzyklen zu fahren. Hier entsteht Flüssiggastechnik der neuesten Generation. Dabei setzt Zupritt überwiegend auf Produkte des Eindhovener Gasanlagenherstellers Vialle, die für den maritimen Einsatz entsprechend modifiziert werden. In der Branche hat das bereits für Aufsehen gesorgt. Namhafte Motorenhersteller gaben sich bereits die Klinke in die Hand, um von der MIZU-Technik und deren Know-How auf dem Flüssiggas-Sektor zur profitieren.
Vorstellung auf der Interboot
Auf der Interboot in Friedrichshafen kann man sich vom 20.9.2008 bis 28.9.2008 über den technischen Stand der Entwicklung informieren. Benzinbetriebene Bootsmotoren gerieten durch die Entwicklung immer sparsamerer Diesel-Aggregate zunehmend ins Hintertreffen. Die jüngste Preisentwicklung an den Rohölmärkten hat jedoch wieder für ein Umdenken gesorgt. Immer mehr Motorenhersteller setzten auf die zuverlässige und umweltschonende Flüssiggastechnik, zumal die Kosten für Flüssiggas als Treibstoff im Vergleich zu Benzin und Diesel noch sehr moderat sind. Damit dürfte, ähnlich wie im Kraftfahrzeugsektor, eine Renaissance der Benzinmotoren bevorstehen – allerdings mit Flüssiggas.
Den Trend beobachten
AdriaNews wird sich diesem Thema in Zukunft verstärkt widmen und den Markt weiter beobachten. Wenn auch Sie auf dem neusten Stand der Entwicklung bleiben wollen, haben Sie die Möglichkeit, unseren Newsletter speziell für LPG-betriebene Boote zu beziehen. Sie werden dann automatisch informiert, wenn es News aus diesem Bereich gibt. Hier erhalten sie auch von Zeit zu Zeit die neuesten Links zum Thema „Bootsgas“. LPG-Wassertankstellen im Adriaraum finden Sie demnächst unter www.strand-direkt.com , LPG-Tankstellen in Slowenien und Kroatien für PKW sind hier bereits publiziert.
Weitere Links: www.mizu.de und www.propan.de .
Wolfgang Kröger für AdriaNews
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