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Swath-Technologie: Ruhige Fahrt bei grossen Wellen
Damit ihre Schiffe möglichst wenig stampfen und rollen, setzen Lotsen und Militärs seit Langem auf die "Swath"- Technologie. Nun hat ein reicher Amerikaner sich das erste private Swath-Boot bauen lassen, weil seine Frau sonst immer seekrank wird
Strahlend schauen Alexander und Renate Dreyfoos auf den Atlantikswell, der sich vor ihnen auftürmt. Normalerweise müsste sich der Amerikaner um seine Frau sorgen - furchtbar schnell wird sie seekrank. Normalerweise. Denn auf ihrer neuen Yacht, der "Silver Cloud", macht sich die See nur durch ein Zucken bemerkbar - vergleichbar dem sanften Zittern eines ICE.
System ähnlich wie beim Katamaran
Ähnlich wie bei einem Katamaran schweben die Aufbauten der "Silver Cloud" auf Stelzen über den Fluten. Die beiden Auftriebskörper, die das Deckhaus tragen, tauchen unter den Wellen hindurch. Das lässt die "Silver Cloud" ruhig in der See liegen. Bislang war diese Small Waterplane Area Twin Hull bzw. (Swath)-Technologie Militärschiffen oder Lotsen vorbehalten. Gebaut wurde das 41 Meter lange Schiff bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder bei Bremen. "A&R hat bislang 16 Schiffe dieser Art gebaut oder in Auftrag", sagt Klaas Spethmann, Geschäftsführer und geistiger Vater des Swath-Prinzips.
Grosses Platzangebot
Doch zurück auf die "Silver Cloud". Alexander Dreyfoos interessierte
neben
der Seelage vor allem das Platzangebot. Das ist auf Mehrrümpfern
naturgemäß reichhaltiger als auf schlanken Monohulls. Das obere Deck
benutzt er für sich und seine Frau, das untere beherbergt den großen
Salon, Kombüse und die Besatzungsunterkünfte. Vor allem aber wollte der
Naturwissenschaftler eine Expeditionsyacht für seine geplante
Weltreise. Und auf die sollte ihn seine Frau begleiten. Ihr altes
Schiff, eine klassische 44-Meter-Yacht, 1996 in Holland gebaut, bot
zwar alle Annehmlichkeiten, doch folgte sie dem Spiel der Wellen zu
sehr.
Dreyfoos erkundigte sich weltweit nach verfügbaren Technologien und
stieß schließlich auf die Elblotsen und deren Swath-Flotte. Aufgabe der
Lotsen ist es, große Frachtschiffe sicher in den Hafen zu bringen. Dazu
steigen sie auf die großen Pötte und beraten den Kapitän. Der
Schiffswechsel ist bei starkem Seegang jedoch recht gefährlich.
Lotsen setzten auf "Swath"
Deshalb
setzten die Lotsen schon Ende der 1990er-Jahre auf Swaths, ein großes
Hotelschiff und vier kleinere Tender. "Wir wollten vom schlechten
Wetter unabhängig sein. Heute können wir in dreieinhalb Meter hohen
Wellen fahren", sagt Albrecht Kramer, Ältermann der Elblotsen. Auf
einem dieser 25 Meter großen Tender fuhren die Dreyfoos mit. Als
Dreyfoos das Schiff durch die aufgewühlte Nordsee steuerte, stoppte er
die Maschinen. Auf jedem anderen Schiff wäre das ein Angriff auf den
Magen seiner Frau gewesen. Nun musste sich das Swath-Konzept beweisen.
Was es in zwei Meter hohem Seegang und bei sechs Windstärken auch tat -
Dreyfoos bestellte.
Theoretisch erdacht wurde das Swath bereits vor dem Zweiten Weltkrieg.
Doch praktisch alle Versuche scheiterten. Umgesetzt werden konnte das
Konzept erst mit modernen Rechenmethoden der Neuzeit. "Wesentlich für
die Swath-Technik ist der Systementwurf unter
Einbeziehung aller
Gewichte", sagt Klaas Spethmann. Inzwischen gibt es weltweit an die 60
Swath-Schiffe.
Ab etwa sechs Knoten arbeiten bei der "Silver Cloud" zudem ständig vier
waagerecht montierte Flossen, jeweils vorne und hinten an der
Innenseite der Auftriebskörper. Sensoren erkennen die Lage des
Schiffes, ein Rechner gibt blitzschnell Signale an die Flossen. So
bleibt der Sekt im Glas, wenn unerwartet hohe Wellen anrollen. "Das ist
Feintuning, vergleichbar mit der einstellbaren Dämpfung im Auto.
Normalerweise könnte man ohne Flossen fahren", sagt Spethmann.
Natürlich hat so ein Entwurf auch Nachteile: Swath-Yachten sind sehr
beladungskritisch und haben mehr Tiefgang als vergleichbare Boote mit
normaler Rumpfform.
Auf Weltreise
Obwohl die "Silver Cloud" weniger Kontakt zur Welle hat, braucht sie
dieselbe Motorisierung wie eine normale 45-Meter-Yacht - schließlich
ist die benetzte Fläche größer. In jedem Auftriebskörper stecken daher
1100 PS,
die die Yacht auf 14 Knoten beschleunigen. Mit 80 000 Liter
Treibstoff kommen die Dreyfoos
3500 Seemeilen weit - genug für die längsten Passagen ihrer Weltreise.
Die hat übrigens schon begonnen. Im vergangenen Herbst holten die
Dreyfoos ihre "Silver Cloud" ab und fuhren zunächst von Lemwerder nach
Gibraltar. Von dort ging es zu den Kanaren und über den Atlantik in die
Karibik. Durch bis zu sechs Meter hohe Dünung, wie Spethmann sagt.
Als Nächstes führt die Reise durch den Panamakanal, zu den
Galápagos-Inseln, nordwärts entlang der amerikanischen Westküste zu den
Walen vor Mexiko, dann hoch nach Alaska. Ferner stehen noch Japan und
Fidschi auf dem Reiseplan. Die Dreyfoos werden allerdings nicht den
gesamten Törn auf dem Schiff verbringen, sondern nur die spannenden
Passagen. Damit die beiden bequem von Land an Bord gelangen, hat die
"Silver Cloud" einen Helikopter-Landeplatz im Heck. Bleibt nur zu
hoffen, dass die Flüge ruhig sind.
EP/AN
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