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Update: Scharfe Kritik am Helden der Ölkatastrophe an der Adria
Das Schlimmste sei verhindert, eine Ölpest in der Adria gestoppt - Italiens Zivilschutzchef Bertolaso ließ sich am Wochenende für die Bekämpfung der Altöl-Verseuchung des Pos feiern. Die Umweltschützer des WWF Italien meinen dagegen: Der Ölschlamm sei zwar weg, die Vergiftung aber nicht verhindert."Das was als großer Erfolg verkauft wird, ist in Wirklichkeit nur ein Pflaster auf einer Verletzung. Der Körper muß aber immer noch geheilt werden. Und wir fordern, dass zumindest das passiert", sagt Stefano Leoni, der Präsident des World Wide Fund for Nature Italien. Nach den Jubelmeldungen, die der italienische Zivilschutz in Folge der Ölkatastrophe verbreitet hatte, kommt vom WWF scharfe Kritik an dessen Chef Guido Bertolaso.
"Der denkt zuerst an sich"
Der oberste Manager in Sachen Katastrophen gilt in Italien als eine Art Nationalheld. Bertolaso hatte am Wochenende gesagt, heute sei das Problem gelöst, zuvor hatte er angekündigt, nicht ein Tropfen Öl werde in die Adria fließen. Dazu meint WWF-Chef Stefano Leoni: "Bertolaso will die Dinge immer so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Er kommt und löst das Problem. Es gibt da sicher ein persönliches Interesse. Wer ihn kennt, weiß, dass er ein enorm großes Ego hat. Der denkt erst mal an sich und dann an die anderen."
Sicher, der Zivilschutz hat es geschafft, den größten Teil des Ölteppichs aufzufangen, den schwarzen Schlamm. Nur bedeute das nicht, dass das Problem hiermit gelöst ist, sagt Stefano Leoni. Ganz im Gegenteil: "Es handelt sich um eine akute Vergiftung. Das was aufgefangen wurde, das war ein wichtiger Teil. Aber da es sich um Öl handelt, kann man gar nicht alles abschöpfen und wegbringen."
Benzingeruch an der Mündung in die Adria
An der Po-Mündung riecht es inzwischen intensiv nach Benzin, auf dem Wasser schwimmt ein dünner Ölfilm – ein deutliches Zeichen, dass die Verschmutzungen inzwischen die Adria erreicht haben. Und die Auswirkungen sind unklar. Das Wasser kann keinen Sauerstoff aufnehmen, die Sonneneinstrahlung wird behindert - und dann sind die Auswirkungen auf Pflanzen, Fische, Muscheln und andere Lebewesen:
"Je nach Zersetzung, kann es sein, dass diese Stoffe sich erst nach mehreren Jahren oder sogar mehreren Dutzend Jahren auflösen", ist sich Leoni sicher.
Im Schutz der Katastrophe entsorgte Umweltgifte
Bei Wasseranalysen im Fluss Po sind inzwischen krebserregende Substanzen gefunden worden. Die Messungen in einigen Po-Gemeinden erbrachten Hinweise auf giftige Chemikalien, Lösungsmittel, Dichlorethan und Chlorethylen. In einigen Kommunen wurde daraufhin der Gebrauch von Leitungswasser verboten. Aber: Diese Giftstoffe haben wohl nur indirekt mit der Ölkatastrophe zu tun. Denn offenbar haben direkt nach dem Sabotageakt in der alten Raffinerie eine oder mehrere Fabriken am Lambro oder Po zusätzliche Giftstoffe ins Wasser abgelassen, in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden. Das verschlimmert die Situation erheblich.
"Das ist nicht nur eine Verschmutzung durch eine Substanz, das sind mehrere Stoffe, die man nicht einfach addieren kann. Im Zusammenwirken können die noch viel gefährlicher sein", meint Leoni. Keine guten Aussichten also für eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Italiens und für die Adria.
Mit freundlicher Genehmigung "die Tagesschau.de"
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