Kroatien: Titos Yacht soll Museum werden

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Die Luxusyacht des ehemaligen kommunistischen jugoslawischen Staats- und Parteichefs Josip Broz Tito verrostet seit Jahren in einer kroatischen Werft. Jetzt soll die „Möwe“ unter den Hammer kommen.

„Ich bin weder Kommunist noch befürworte ich, was Tito getan hat, aber ich mag die ‚Möwe’ als Schiff und es wäre schade, wenn sie verschrottet würde“ sagt Kapitän zur See, Zeljko Matejcic. Er bewacht die seit Jahren im Trockendock liegende „Möwe“. Mit ihr fuhr Tito über die Weltmeere in die Dritte Welt, in der heimatlichen Adria empfing er auf der Yacht Staatsmänner und die damaligen Jet-Setter.

Auf dem Schiff wurde 1956 die Idee der Blockfreien Staaten geboren, die

Tito dann zusammen mit Indiens Regierungschef Nehru und Ägyptens

Präsident Naser umsetzte. Doch das Stück schwimmende Geschichte

verrostet nunmehr seit Jahren in der Werft „Viktor Lenac“ in Rijeka.

 

Nutzung für die Sommer- und Wintersaison

Die Yacht von 117 Meter Länge

soll jetzt versteigert werden. In Kroatien galebtito2.jpghofft man, dass die Stadt

Rijeka neuer Schiffseigner wird. Da die „Möwe“ – kroatisch Galeb – zum

Kulturgut erklärt wurde, haben der Staat Kroatien bzw. die Stadt Rijeka

ein Vorkaufsrecht. Der Wert der Yacht liegt bei schätzungsweise über

275.000 Dollar. Das Mindestgebot ist auf 150.000 Dollar festgesetzt.

Der Bürgermeister von Rijeka, Vojko Obersnel, sagte der Deutschen

Welle: „Wenn es uns gelingt, das Boot zu ersteigern, werden wir es

wieder instand setzen. Es soll ein einzigartiges Museum werden, das im

Hafen von Rijeka vor Anker liegt.“ Den Planungen zufolge wird neben dem

Museum an Bord auch ein kommerziell genutzter Bereich mit Konferenzsaal

und Gastronomie eingerichtet. „Falls wir einen Partner finden und das

Schiff seetauglich gemacht wird, könnte man es im Sommer als Luxusyacht

mieten und im Winter als Museum nutzen“, so Obersnel.

 

Vom Bananenkutter

zur Luxusyacht

Die „Möwe“ blickt auf eine wechselvolle Geschichte

zurück. Das Schiff war ursprünglich ein italienisches Handelsschiff zum

Transport von Südfrüchten. Hitlers Kriegsmarine funktionierte es in

einen Minenleger um. 1944 wurde es von den Alliierten vor Rijeka

versenkt. Nach dem Krieg wurde das Schiff als Kriegsbeute geborgen und

umgestaltet. So wurde die „Möwe“ Teil von Titos Image: „Schiff des

Friedens“ genannt, fuhr er damit zu Staatsbesuchen und empfing

politische Größen wie Winston Churchill und Nikita Chruschtschow, aber

auch Hollywood-Stars wie Elizabeth Taylor, Richard Burton und Sofia

Loren. Seit Titos Tod 1980 hat niemand mehr in seiner Kabine

genächtigt. Die „Möwe“ diente fortan als Schulschiff – bis zum Zerfall

Jugoslawiens Anfang der 1990er Jahre. Kapitän war zu dem Zeitpunkt

Dragan Miro Juric. Er ist bis heute stolz, Kommandeur der „Möwe“

gewesen zu sein: „Schließlich konnten nur die Besten Seeleute werden.“

 

Von wegen Schnäppchenpreis

Die Geschichte geht noch weiter: Im Jahr

2000 wurde das Schiff an einen US-Griechen verkauft, den Reeder John

Paul Papanicolau. Er war bereits Eigner der Yacht „Christine O.“ von

Onassis. Beide Schiffe brachte er in die Werft Viktor Lenac in Rijeka,

um sie zu Luxusyachten umbauen zu lassen. Doch die Geschäfte von

Papanicolau gingen schlecht, und so rostet die einst so stolze „Möwe“

vor sich hin. Nun kommt sie unter den Hammer.galebtito_3_rij2008.jpg Das Mindestgebot von

150.000 Euro mutet auf den ersten Blick wie ein Schnäppchenpreis an,

doch so richtig teuer wird es wohl erst nach dem Kauf. 30 bis 40

Millionen Euro müssten investiert werden, um es zu einem seetüchtigen

Luxusschiff umzubauen, sagen Fachleute. Vergleichsweise günstig scheint

es, das Schiff zum Museum plus kommerzieller Nutzung umzubauen.

Kostenpunkt: fünf bis zehn Millionen Euro.

 

 

Autor: Goran Vezic / Mirjana

Dikic mit Genehmigung der Deutschen Welle



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