Vendée Globe: Die härteste Regatta der Welt

vendee_start.jpgManche bezeichnen die Regatta als „Everest der Meere“, man könnte sie aber auch mit einem Ironman-Triathlon für Skipper und Yachten vergleichen - vielseitig in ihren Belastungen, nur zeitlich länger und geographisch weiter. Die „Vendée Globe“, die einzige Einhand-Weltumseglung nonstop und ohne externe Hilfe, ist am Sonntag vom französischen Atlantikstädtchen Les Sables d'Olonne aus gestartet.

Dreißig Boote, so viele wie noch nie, legten am Sonntagvormittag unter dem Jubel von Tausenden von Zuschauern im Hafen des westfranzösischen Küstenortes ab. Um 13.02 Uhr, der traditionellen Startzeit des nur alle vier Jahre stattfindenden Rennens, erschallte auf dem Atlantik das Signal. Die Skipper - darunter die weltbesten Segler in der Klasse der 18,2 Meter langen Einrumpfyachten mit 4,5 Meter Tiefgang sowie Abenteurertypen, die sich einen Traum erfüllen - haben nun eine lange Zeit härtester körperlicher und psychischer Belastung vor sich.

 

 

Zeiten werden schneller

Nach 87 Tagen kam der Sieger der letzten „Vendée Globe“, Vincent Riou,

an. Manche glauben, dass der Erste diesmal nur höchstens 80 Tage

brauchen könnte, denn zuletzt wurde noch mehr Geld in die technische

Raffinesse der Boote gesteckt - und in die körperliche Vorbereitung der

Skipper. Der Wettbewerb wird immer schärfer: Schon vor vier Jahren

trennten den Zweitplazierten, Jean Le Cam, nur sieben Stunden vom

Sieger. Vier Jahre davor war es noch mehr als ein Tag, als course.gifdie Britin

Ellen Mac Arthur hinter dem Franzosen Michel Desjoyeaux ins Ziel kam.

Der Kurs führt die Segler über 44.000 Kilometer entlang der

portugiesischen, dann der westafrikanischen Küste um das Kap der Guten

Hoffnung herum, von dort aus zur Südküste von Australien und danach

vollständig um die Antarktis herum. Vom Kap Horn aus geht es wieder

nördlich Richtung Sables d'Olonne.

 

Abentuer pur- fast ohne Schlaf

„Eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit“ nennen die Teilnehmer

das Rennen. Die körperliche Beanspruchung ist grenzwertig. „Mehr als

fünfzehn Minuten Schlaf am Stück ist nicht drin“, sagt der Österreicher

Norbert Sedlacek. Denn immer wieder müsse man das Boot kontrollieren,

auf Wind, Wetter und Seegang achten. Nicht zu verachten sind auch

mögliche Kollisionen, besonders mit Eisschollen, aber auch mit Treibgut

wie Containern oder beispielsweise einem Kühlschrank, der dem Engländer

Mike Golding einmal in die Quere kam. Der Schlafrhythmus ist bei jedem

Skipper anders. Einige haben sich vorher in Schlaflaboren testen

lassen, um das optimale Vorgehen zu finden. Auch die Verpflegung ist

wissenschaftlich überprüft. Sie besteht in der Regel aus

Trockennahrung, die mit heißem Wasser aufgekocht wird. Die

Wasserversorgung stellen Entsalzungsanlagen sicher. Um Gewicht zu

sparen, leistet sich keiner große kulinarische Feinheiten.

 

Unterschiedlichste Budgets

Trotz der Professionalisierung, die zu einer gewissen Harmonisierung

führt, gibt es im Feld vendee_1.gifauch in diesem Jahr noch jede Menge Farbtupfer.

Der 46 Jahre alte Österreicher Sedlacek etwa, der vor vier Jahren nach

32 Tagen aufgeben musste, weil bei Kapstadt eine Halterung am

Kielfundament brach, will es mit dem kleinsten Budget der Teilnehmer

jetzt wieder wissen. Eine dreiviertel Million Euro haben der ehemalige

Straßenbahnfahrer und sein Sponsor Kapsch, ein Hersteller von

Maut-Systemen für Autobahnen, in das Projekt gesteckt - ein Bruchteil

der 8 bis 12 Millionen Euro, die Weltkonzerne wie Rothschild, BT,

Veolia oder Aviva in ihre Teams investieren.

 

Zwei Todesfälle in den neunziger Jahren 

Zu den Außenseitern gehört auch der Senior der Skipper, der 58 Jahre

alte Amerikaner Rich Wilson, ein in Harvard ausgebildeter

Mathematik-Lehrer, der seine Teilnahme als pädagogisches Projekt sieht.

Während der Regatta will er Artikel für 26 Zeitungen schreiben und über

Podcast mit Millionen von Schulkindern in Verbindung bleiben, um über

die Weltmeere und das Segeln zu informieren.

Wer sich Hoffnung auf den Sieg macht, hat dafür freilich keine Zeit.

„Zum Philosophieren kommt man nicht, es gibt einfach zu viel zu tun, um

das Boot auf optimalem Kurs zu halten“, sagt der Schweizer Dominique

Wavre. Für manche geht es allein um die Frage des Ankommens.

Durchschnittlich haben seit der ersten „Vendée Globe“ 1989/90 nur 40

Prozent der Segler das Ziel erreicht. Zwei Skipper kamen in den

neunziger Jahren ums Leben. Das macht verständlich, warum der Start in

Sables d'Olonne eine so emotionale Angelegenheit ist. Auch wenn die

Verbindung durch Satellitentelefon und Internet heute besser ist denn

je, stehen den Seglern rund drei Monate gefährlicher Einsamkeit bevor.

 

Zurückkommen ist der erste Sieg

Einerseits geht ihnen durch den Kopf, dass sie jetzt vielleicht zum

letzten Mal ihre Familie vendee_4.jpgsehen, andererseits ist nach jahrelanger

Vorbereitung endlich das Warten zu Ende. Der Kloß im Hals ist den

meisten Skippern beim Ablegen anzusehen. Es gibt Umarmungen und Küsse

im Sekundentakt. Dem Basken Unai Basurko sang seine Equipe ein

Ständchen zu Akkordeonmusik, ein anderer Skipper musste Blumensträuße

annehmen und wusste gar nicht mehr, wohin damit.

Mit dreizehn ausländischen Teilnehmern sind in diesem Jahr mehr

Nicht-Franzosen denn je dabei. Die Experten rechnen neben den Franzosen

Michel Desjoyeaux, Vincent Riou oder Loïck Peyron auch den Schweizer

Bernard Stamm oder die Engländer Mike Golding und Alex Thomson zu den

Favoriten. Noch nie hat ein Nichtfranzose die Regatta gewonnen. Indes

gilt weiterhin das Wort von Jean Le Cam: „Zurückkommen ist schon der

erste Sieg.“

 

EP/AN mit Material von vendeeglobe.org

 



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.