Das Drama vor Sizilien - Flüchtlingsnot auf dem Weg nach Europa

Italien hat die Küstenwache verstärkt, um Flüchtlinge fernzuhalten. Doch gerade diese Schutzmaßnahme ermuntert aus Sicht von Kritikern Schleuser, ihre maroden Schiffe loszuschicken.

Rom (dpa) - Sie ersticken, zusammengepfercht in heillos überfüllten Booten. Sie ertrinken, weil ihre maroden Nussschalen auf dem Meer sinken. Viele können nicht schwimmen und kommen beim Versuch ums Leben, das rettende italienische Ufer zu erreichen. Fast täglich spielen sich neue Flüchtlingsdramen im Mittelmeer ab, jetzt fand Italiens Marine wieder Dutzende Migranten tot auf einem Fischkutter. Der wachsende Ansturm von Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten löst in Italien politischen Streit aus, das Land fühlt sich überfordert.

Die italienische Marine ist im Dauereinsatz und kann neue Dramen auf See dennoch nicht verhindern. Nach zwei Unglücken im Oktober mit mehr als 400 Toten startete Italien mit Schiffen und Flugzeugen das Kontroll- und Rettungsprogramm «Mare Nostrum» (Unser Meer), damit sich derartige Tragödien nicht wiederholen. Doch der Strom der Flüchtlinge nimmt weiter zu. Kritiker meinen, gerade die sichere Rettung durch die Italiener verführe die Schleuser dazu, an der libyschen Küste abzulegen und danach per Funktelefon die Marine anzurufen.

Hunderttausende Flüchtlinge warteten am südlichen Saum des Mittelmeeres nur darauf, auf einem Boot gen Europa fahren zu können, hatte Italiens Innenminister Angelino Alfano wiederholt gewarnt. Die anschwellende Flüchtlingswelle dürfte vor allem auf die immer verheerendere Lage in Syrien zurückzuführen sein. Italien, das an diesem Dienstag die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, will ein europäisches Mandat zur Rettung von Bootsflüchtlingen - Europas Grenzagentur Frontex soll praktisch nach und nach die schwierige Aufgaben der Operation «Mare Nostrum» übernehmen, sagte Verteidigungsministerin Roberta Pinotti.

«Europa muss dies gemeinsam bewältigen», mit dieser Forderung geht Regierungschef Matteo Renzi in die sechs Monate der italienischen EU-Ratspräsidentschaft. Vor allem Sizilien, erste Anlaufstelle für die Marine-Schiffe mit geretteten Flüchtlingen an Bord, kann die wachsende Belastung kaum schultern. Und das Programm «Unser Meer» kostet zehn Millionen Euro monatlich.

In der bereits aufgeheizten politischen Atmosphäre macht die rechtspopulistische Lega Nord Front gegen die Rettung auf See. So warf der Lega-Chef Matteo Salvini Renzi und dem Innenminister nach dem jüngsten Drama vor, «blutbeschmiert», also praktisch mitverantwortlich zu sein. Es müsste jedenfalls verhindert werden, dass die Boote in Nordafrika ablegen können, den Flüchtlingen solle auf ihrer Seite des Mittelmeeres geholfen werden, verlangt Salvini.

Während Bundespräsident Joachim Gauck und - immer wieder - auch Papst Franziskus mehr Solidarität mit den Flüchtlingen verlangen, hält der Riesenansturm an. Renzis wichtigste Aufgabe dürfte es sein, im italienischen EU-Halbjahr Lösungen einzufordern. Das Augenmerk ist bereits auf die Notlage der Migranten gerichtet. 5000 Flüchtlinge in kaum 48 Stunden, wie am vergangenen Wochenende - zeigen aus Sicht der Italiener, dass ihr Land allein mit dem Problem völlig überfordert ist.

 

Foto: www.pixelio.de / Janusz Klosowski



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