"Costa"-Experte Porcellacchia: Kritischster Punkt ist geschafft

Nur noch wenige Tage fehlen, um die komplizierte Bergung der «Costa Concordia» abzuschließen. Ingenieur Franco Porcellacchia ist zuversichtlich - auch wenn noch einige komplexe Aktionen bevorstehen.

Giglio (dpa) - Die Bergung der «Costa Concordia» ist eine technische Meisterleistung und ein bislang weltweit einzigartiges Projekt. Von Anfang an daran mitgearbeitet hat der italienische Ingenieur Franco Porcellacchia. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt er, worauf es in den Tagen vor dem Abschleppen des Schiffs ankommt - und was bis dahin noch schief gehen könnte.

Frage: Was genau ist in der letzten Bergungsphase bisher geschehen und was ist für die kommenden Tage geplant?

Antwort: Wir haben einen äußerst wichtigen Schritt für die gesamte Aktion geschafft. Das Schiff ist aus einer statischen Position in einen schwimmenden Zustand gebracht worden. Danach wurde es ins tiefe Wasser gezogen. Hier wird es zunächst verankert, um die Vorbereitungen fortführen zu können.

Frage: Welches sind die noch fehlenden Schritte?

Antwort: Wir müssen in den nächsten Tagen eine gewisse Anzahl an Schwimmtanks auf der rechten Seite des Schiffs weiter nach unten positionieren, weil zuvor der Meeresboden im Weg war. Danach beginnen wir mit der finalen Phase des Aufschwimmens. Dann werden wir nach und nach die einzelnen Decks des Schiffs auftauchen sehen, die Decks sechs, fünf, vier und drei. Das sind etwa 14 Meter des Schiffsrumpfs. Danach wird das Schiff noch einen Tiefgang von etwa 17 Metern haben.

Frage: Wie funktioniert das sogenannte Aufschwimmen genau?

Antwort: Die Schwimmtanks sind voll mit Wasser, zumindest teilweise. All dieses Wasser wird entfernt, indem Druckluft hineingepresst wird. Die leeren Tanks steigen dann nach oben und bringen das Schiff mit.

Frage: Gibt es in den kommenden Tagen größere Risiken? Welches sind die kritischsten Punkte der Aktion?

Antwort: Den kritischsten Punkt haben wir bereits geschafft. Wir mussten von einem statischen Zustand zu einem schwimmenden im Meer kommen. Etwa so als ob eine Person im Schwimmbad mit den Füßen auf dem Boden steht und dann plötzlich in tieferes Wasser kommt und alleine schwimmen muss. Das war kritisch. Alles was jetzt folgt, ist schwierig und komplex, aber es sollte sicher ablaufen.

Frage: Es gibt immer wieder Bedenken, dass gefährliche Flüssigkeiten aus dem Schiff austreten könnten. Wie sehen Sie diese Gefahr?

Antwort: Bislang haben wir auch aus Sicht des Umweltschutzes ein überraschend positives Ergebnis bekommen. Das Schiff ist um zwei Meter angehoben worden, Wasser ist also ins Meer geflossen und hat sich mit dem Meerwasser vermischt. Und es gibt keine Anzeichen für Verschmutzung. Das noch schmutzige Wasser wird größtenteils im Schiffsrumpf bleiben, mit abtransportiert und dann entsorgt

Frage: Sind noch Öle oder andere Flüssigkeiten in dem Schiff?

Antwort: In dem Schiff sind Tanks, die teilweise geleert wurden, soweit das möglich war. Es gibt Flüssigkeiten, die nicht abgepumpt werden können, die sich jedoch in komplett intakten Tanks befinden. Wir denken daher nicht, dass dieses Öl ins Meer gelangen kann.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass das Schiff auseinanderbricht?

Antwort: Alles kann passieren, aber mit der Technik, die uns zur Verfügung steht, haben wir das Schiff analysiert mit allen Belastungen, denen es standhalten muss. Wir kennen die Robustheit des Schiffs, diese Berechnungen beruhigen uns.

Frage: Was kann in den nächsten Tagen noch schief laufen, wenn zum Beispiel das Wetter schlecht wird?

Antwort: Wir haben diese Jahreszeit für diese Operation ausgewählt, weil die Wetterbedingungen normalerweise ausreichend gut sind. Wir denken, dass die Aktion ohne Probleme beendet werden kann. Außerdem ist das Schiff robust genug, um extremere Bedingungen auszuhalten.

ZUR PERSON: Ingenieur Franco Porcellacchia (60) arbeitet für die US-amerikanische Firma «Carnival Corporation», die Mutterfirma der Reederei «Costa Crociere». Er leitet für die Reederei das Bergungsprojekt der «Costa Concordia». Das Schiff hatte Porcellacchia einst selbst mit konstruiert und entwickelte. Der aus Genua stammende Italiener hat Schiffsarchitektur und Maschinenbau studiert.

Interview: Miriam Schmidt

Foto: www.pixelio.de / Bildpixel



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.