Meyer Werft wird zum europäischen Schiffbaukonzern

Als Kreuzfahrtschiffbauer hat sich die Meyer Werft aus Papenburg seit den 1980er Jahren ein weltweites Renommee erarbeitet. Jetzt bekommt das Familienunternehmen einen großen Wachstumsschub: Es wird Mehrheitseigentümer der STX-Werft im finnischen Turku.

Papenburg/Turku (dpa) - Schwierige Manöver ist die Papenburger Meyer Werft seit Jahrzehnten gewohnt. Die weltweit gefragten Kreuzfahrtschiffe werden 40 Kilometer weit weg von der Nordsee gebaut - und dank logistischer Präzisionsarbeit seit den 1980er Jahren stets flussabwärts über die Ems ins Meer gebracht. Nun peilt die Geschäftsführung einen Kurs an, der aus dem niedersächsischen Familienunternehmen einen europäischen Schiffbaukonzern machen wird.

Die Meyer Werft übernimmt 70 Prozent des bisherigen Konkurrenten STX aus Turku in Finnland. Die restlichen 30 Prozent kauft der finnische Staat dem darbenden STX-Konzern aus Südkorea ab.

Etwa 1300 Menschen arbeiten derzeit in Turku an dem Kreuzfahrer «Mein Schiff 4» für den deutschen Reeder Tui Cruises. Die neuen Eigentümer konnten bei der Bekanntgabe des Geschäfts am Montag sofort verkünden, dass Tui den Bau zweier weiterer Schiffe in Aussicht gestellt hat.

«Es war schon lange klar, dass die Werft mit den bisherigen Eigentümerverhältnissen nicht mehr Aufträge bekommen konnte», sagte Finnlands Wirtschaftsminister Jan Vapaavuori dazu. Der Einstieg der Schiffbauer aus dem Emsland hat also Vertrauen bei den Kunden wieder hergestellt - und sichert in dem skandinavischen Land Arbeitsplätze.

Auch in Papenburg ist ein Aufatmen hörbar. Der Einstieg bei den Finnen sei ein guter Tag für das Unternehmen, sagt Betriebsratschef Thomas Gelder. Denn so gut der Ruf der Meyer-Schiffe bei den internationalen Kunden auch ist: Die Werft von der Emsmündung ist in den vergangenen Jahren selbst in schweres Fahrwasser geraten.

2011 schnappte die japanische Konkurrenz von Mitsubishi Neuaufträge der Rostocker Reederei Aida Cruises im Wert von 900 Millionen Euro weg. Firmenchef Bernard Meyer hatte wiederholt seine Sorge vor der Konkurrenz aus Asien geäußert, die wegen des schlechten Markts bei Containerschiffen ins boomende Kreuzfahrtschiffgeschäft eingestiegen war. Er verlangte seiner Belegschaft einen Sparkurs ab, damit die Werft nicht in die roten Zahlen rutscht.

Sowohl das Management als auch die Beschäftigten an der Ems sorgten sich um die Zukunft ihrer europäischen Konkurrenten in Finnland, Frankreich und Italien, die möglicherweise dem Wettbewerb aus Japan, Korea oder bald auch China nicht gewachsen sein könnten. Denn mit einem Ausfall einer anderen Kreuzfahrtwerft würde auch das Netz der Zulieferer und damit die Branche insgesamt in Europa geschwächt.

«Sich europäisch aufzustellen, steht nicht im Widerspruch zur Arbeitsplatzsicherung hier bei uns», erklärt Gelder. Das Engagement in Finnland sichere somit Jobs in Niedersachsen. Zusammen mit dem Land, dem Betriebsrat und der IG Metall Küste verhandelt die Werft derzeit über eine Standortsicherung. 3000 Menschen arbeiten bei Meyer - viele Jobs im strukturschwachen Nordwesten Niedersachsens.

Die Geschäftsführung verspricht, dass keine Arbeitsplätze wegfallen sollen. Es sei nun aber möglich, künftig flexibler auf Kundenwünsche reagieren zu können, sagte Geschäftsführungsmitglied Jan Meyer: «Auch durch ein zukünftig noch stärkeres gemeinsames Vorgehen im Bereich Forschung und Entwicklung, im Kreuzfahrtmarkt sowie gegenseitige Lerneffekte bei den Arbeitsabläufen sind positive Synergien möglich.»

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Einstieg in Finnland als einen «Schritt in die richtige Richtung». Die Wettbewerbsfähigkeit der Meyer Werft und der Heimatstandort Papenburg würden damit gestärkt. Über den Standortsicherungsvertrag wolle das Land erreichen, dass weiter im Emsland investiert wird.

Die Vorzeichen sind grundsätzlich gut. Nach Daten des Verbands Deutscher Reeder glänzten die 23 Kreuzfahrtschiffe 2013 mit Profiten. Dagegen kämpfe die Masse der deutschen Reeder beim Einsatz ihrer rund 3500 Handelsschiffe angesichts weltweiter Überkapazitäten, steigender Treibstoffkosten und schlechter Frachtraten ums Überleben.

Die Lust deutscher Urlauber auf Hochsee-Kreuzfahrten bleibt derweil ungebrochen, bestätigt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Der deutsche Hochseekreuzfahrtmarkt erwirtschaftete im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro (2012: 2,6 Mrd Euro) an Umsatz. Gemessen am Gesamtumsatz des Veranstaltermarktes in Deutschland hatten Kreuzfahrten 2013 einen Anteil von rund zwölf Prozent.

Der Markt kennt rasante Steigerungsraten. Gab es 1993 erst 235 000 Gäste auf Hochsee- und Flussschiff-Kreuzfahrten, waren es binnen 20 Jahren zwei Millionen. Entsprechende Zahlen präsentierte der DRV mit dem Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA) und der IG River Cruise auf der vergangenen Reisemesse ITB.

 

Foto: www.pixelio.de / Jetti Kuhlemann



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