Antifouling: Gift für die Meere ?

antifouling_1.jpgWelche Antifoulinganstriche sind effektiv und Umweltschonend zugleich?

Das ist die Kernfrage des vom WWF Deutschland koordinierten und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, DBU geförderten Großversuchs in Sachen "Biozide Schiffsfarben." Diese erste unabhängige und ausführlichste Studie weltweit, wurde vom Hamburger Forschungsinstitut LimnoMar, der Forschungsstelle Küste, sowie der Umwelt- und Gesundheitsbehörde Harnburg gemeinsam mit Schiffseignern und Farbenfirmen durchgeführt.

 

100 Testbeschichtungen 

Es galt zu beweisen, das Großschiffe, z.B. moderne Kreuzfahrer, sich auch ohne umweltschädliche TBT Verbindungen vor unerwünschten Bewuchs schützen können. Die Langzeitstudie zeigt unterschiedlich erfolgreiche Alternativen zu den heute immer noch eingesetzten Giften auf, und liefert wissenschaftlich fundierte Grundlagen für den Einsatz biozidfreier Alternativen, die auch für die Sportschifffahrt relevant sind. 5 Jahre wurden über 100 Testbeschichtungen von 15 Farbenherstellern an antifouling_5.jpgContainerschiffen, Tankern, Massengutfrachtern, Kreuzfahrern, Personenfähren, Fischereifahrzeugen und Forschungsschiffen in regelmäßigen Zeitintervallen untersucht. Das Einsatzgebiet der Schiffe deckte nahezu alle Regionen der Seeschifffahrt ab, und die Schiffe behielten ihren normalen Betrieb bei. Alle eingesetzten Produkte mussten natürlich ihre Wirksamkeit ohne Biozide unter Beweis stellen, primär handelte es sich um Systeme, die auf physikalischen Mechanismen basieren.

 

Selbstpolierende Anstriche

Viele Meeresbewohner - Algen, Korallen, Krebse - verhindern eine Ansiedlung durch das Häuten oder Erneuern ihrer Oberfläche. Das Schälen und Schuppen bewachsener Flächen übernimmt bei den Self-polishing Produkten die Wasserströmung, die ständig dünne Schichten des Anstrichs abträgt, und neue, aktive freilegt. Selbsterodierende Antifoulings sind für Gewässer mit leichtem bis mäßigen Anwuchs und für Segel- und Motoryachten geeignet, die nicht über 25 Knoten laufen. Vorteilhaft ist der reduzierte Arbeitsaufwand durch geringen Schichtaufbau im Laufe der Betriebsjahre. Personenfähren und Forschungsschiffe im küstennahen Bereich erzielten mit biozidfreien selbstpolierenden Beschichtungen die besten Ergebnisse.

 

Fluor-Polymer-Beschichtungen

Rümpfe mit Antihaftbeschichtungen wie sie für Silikone, Teflon antifouling_3.jpgoder Wachs typisch sind, bieten den Organismen einen denkbar ungeeigneten Untergrund.....sie rutschen ab. Die Flächen sind extrem dünnschichtig und reibungsarm, dabei hart, glatt und widerstandsfähig. Das Prinzip ähnelt dem einiger Wal -und Delfinarten, deren obere Zellschicht der Haut mit einem Gel Überzogen ist. Parallel sind mit Dünnschicht-Antifoulings höhere Geschwindigkeiten zu erzielen, es wird eine effizientere Treibstoffnutzung erzielt, und es werden - ähnlich wie bei den polierenden Produkten - keine dicken Farbschichten gebildet. Als sehr gut geeignet erwiesen sich im Langzeitversuch Antihaftbeschichtungen für schnelle Kreuzfahrer mit kurzen Hafenaufenthalten

 

Epoxi und Microfaser

Das System schaute man den Robben ab. Ähnlich wie beim Fell der schnellen Meeressäuger bilden die synthetischen Beschichtungen einen filzartigen Überzug aus abstehenden Polyesterfasern auf dem Schiffsrumpf. Mikroorganismen können sich nur noch an die beweglichen Fasern absetzen, die sich antifouling_4_microfaser_aufbau_unter_microskop.jpgdurch gegenseitiges aneinander Reiben schnell wieder befreien. Die Beschichtungen basieren auf einem Epoxy-Grundanstrich, in dem die Fasern verschiedener Länge haften. Die Erfolge auf langsam fahrenden Hochseeschiffen waren gut, sich leicht ansiedelnde Organismen wie Seepocken wurden erfolgreich abgewiesen.

 

Noch keine Umsetzung 

Das gemeinsame Projekt deckte aber auch weiteren Forschungsbedarf auf. Denn neben einem notwendigen Kriterienkatalog zur Auswahl unterschiedlicher Systeme für bestimmte Reviere, wird man auch die Umweltverträglichkeit weiterer Farbenbestandteile wie Weichmacher und Bindemittel untersuchen. Grundsätzlich hat zwar die IMO, die Weltschifffahrtsorganisation festgelegt, dass TBT und andere Organozinn-Verbindungen ab Januar 2003 weltweit auf neue Schiffe nicht mehr aufgetragen werden dürfen, die praktische Umsetzung hinkt aber deutlich hinterher. Denn erst 5 von 25 notwendigen Staaten haben die Konvention unterzeichnet.

 

Toxische Anstriche noch hoch im Kurs

Noch im Juli vergangenen Jahres wurden begleitende Richtlinien angenommen, die Probenahmen und Inspektionen erst ermöglichen. Innerhalb der EU dürfen TBT-haltige Farben seit 2003 nicht mehr eingesetzt werden, Schiffe mit TBT-Anstrichen dürfen aber europäische Häfen bis einschliesslich 2008 anlaufen. Für die Sportbootschifffahrt ist der Einsatz von TBT in Antifoulings schon seit 1993 gesetzlich verboten. Seit 1988 - nach dem großen Austernsterben an Frankreichs Küsten - verzichteten die Farbenhersteller freiwillig auf den Gebrauch von TBT in Antifoulingfarben für Sportboote. Wie wichtig es ist, die verfügbaren giftfreien alternativen Methoden einer Bewuchsverhinderung an Schiffsrümpfen zu etablieren, beweist die Tatsache, dass schon wieder über den Einsatz anderer toxischer Chemikalien nachgedacht wird, die das TBT Verbot umgehen.

 

AN-Redaktion Porec mit Material vom WWF und LimnoMar



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