Expertin: Rettung auf See von brennenden Schiffen besonders schwierig

Schlechtes Wetter, hohe Wellen und auch noch Rauch: Es gibt viele Faktoren, die eine schnelle Rettung von Menschen auf See von brennenden Schiffen erschweren können. Und das Löschen eines Brandes an Bord dauert oft Tage.

Nach rund 36 Stunden ist die Evakuierung der Adria-Fähre «Norman Atlantic» abgeschlossen. Schlechtes Wetter und Wellengang erschweren grundsätzlich Bergungsaktionen auf See, wie Antke Reemts von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen sagt. Zu der konkreten Situation vor Ort könne sie aber nichts sagen, zumal die DGzRS dort nicht involviert sei. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur schildert Reemts generelle Schwierigkeiten.

 

Warum dauerte die Bergung der Passagiere so lange?

Reemts: Grundsätzlich ist die große Schwierigkeit das schlechte Wetter. Bei so einer Rettungsaktion werden Schiffe, die dort im Umfeld irgendwie helfen können, herangezogen. Sie sind aber nicht dafür ausgelegt, dass auf See Menschen von einem Schiff aufs andere übersteigen. Man hat zum Beispiel eine 170 Meter lange Fähre und ein kleineres Frachtschiff daneben, das sehr viel niedriger ist, dann gibt es keinen waagerechten Überstieg. So entsteht zwischen einer Ausstiegsluke einer Fähre und dem Übergang zu einem Schiff ein großer Höhenunterschied. Bei schweren Wetter mit hohem Seegang bewegt sich das große Schiff in der See auch ganz anders als das kleinere, danebenliegende. Wenn man sich vorstellt, dass die Schiffe dann noch ständig Berührung haben und sich unterschiedlich in der See bewegen, kann man sich vorstellen, wie schwierig es sein kann, in so einem Seenotfall einen sicheren Überstieg für Passagiere möglich zu machen.

Ist die Rettung per Hubschrauber leichter?

Reemts: Auch die Rettung per Hubschrauber ist schwierig. Das geht nur an bestimmten Orten auf einem Schiff. Sie brauchen eine freie Grundfläche, damit dort überhaupt eine Winde runtergelassen und mit Menschen wieder hochgeholt werden kann. Sie haben auf einem Schiff Aufbauten, Antennen und anderes, was im Weg sein kann. Wenn sie dann noch Rauch haben durch ein brennendes Schiff, gibt es die zusätzliche Schwierigkeit, dass die Sicht nach unten für den Piloten und den Mann an der Winde erheblich eingeschränkt ist. So kann nicht jeder Zeit einfach jemand mit der Winde rauf- und runterholt werden.

Kann das brennende Schiff sinken?

Reemts: Grundsätzlich kann jedes Schiff sinken. Es ist immer eine Schwierigkeit, dass Sie in ein brennendes Schiff nicht unendlich Wasser reinpumpen können, weil es die Schiffsstabilität verändert und das Schiff gefährdet. Deshalb versucht man bei Bränden auch mit Schaum und Schaumzumischungen zu löschen, um einfach nicht zu viel Wasser in ein Schiff zu pumpen.

Warum dauert das Löschen des Brandes so lange?

Reemts: Ein Schiff hat eine komplexe Struktur, es hat viele Decks, es sind viele Kabel verlegt, es hat viele Zwischenräume. Es ist wie bei einem Hausbrand, es ist immer schwierig Brände zu löschen, die sich komplex ausgedehnt haben. Sie haben nicht eine brennende Fläche, sondern Sie haben den Brand in vielen Strukturen eines Schiffes. Vielfach kommt man an die Brände nicht ran. Man kennt es aus vergleichbaren Fällen. Es kann sehr, sehr lange dauern kann, bis so ein Schiff gelöscht ist. Wie beispielsweise die «Flaminia». Sie war im Juli 2012 auf dem Atlantik in Brand geraten und wurde in einen deutschen Hafen geschleppt. Die brennende Ostseefähre «Lisco Gloria» im Oktober 2010 konnte erst nach Tagen gelöscht werden.

ZUR PERSON: Antke Reemts, 49 Jahre alt, ist seit 1994 bei der DGzRS. Sie gehört zum Team der Sprecher. Die Pressestelle ist wie die Seenotleitstelle an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt.

Foto: www.pixelio.de/ Albrecht E. Arnold



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