"Costa Concordia"- Prozess steuert auf Ende zu

Gerade als die Wunden langsam verheilten, wühlt ein neues Schiffsunglück Italien auf. Zum dritten Jahrestag der «Costa Concordia»-Katastrophe nähert sich immerhin der Prozess gegen den Unglückskapitän dem Ende.

Wieder ein Schiffswrack, wieder Tote, wieder eine dramatische Rettungsaktion, wieder Chaos an Bord. Das Feuer auf der Adria-Fähre «Norman Atlantic» hat in Italien böse Erinnerungen geweckt. An diesem Dienstag (13.1.) vor drei Jahren prallte das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf einen Felsen und kenterte. Der Mammutprozess gegen Kapitän Francesco Schettino nähert sich jetzt dem Ende. Trotz vieler Parallelen zu der neuen Katastrophe weisen Experten auf die Unterschiede hin.

 

Von den Passagieren an Bord der «Costa» starben 32 - darunter 12 Deutsche. An Bord der «Norman Atlantic» waren etwa 500 Menschen, und mindestens 11 starben. «Es ist beides eine Katastrophe, aber die "Costa" ist in der Öffentlichkeit eine viel größere Sache», sagt der Anwalt Massimiliano Gabrielli. Er vertritt sowohl bei dem «Costa»-Unglück als auch jetzt bei dem Fährunglück mehrere Opfer. «Ein Unterschied ist: Auf der "Norman" ist der Kapitän als letzter von Bord gegangen, bei der "Costa" nicht.»

Der «Norman»-Kapitän Argilio Giacomazzi wurde in Italien zunächst als «Anti-Schettino» gefeiert, der nicht wie der «Costa»-Kapitän das Image des Landes in den Dreck gezogen habe. Eine Jubel-Facebook-Seite wurde gegründet («Schettino, schau zu und lerne!»), obwohl gegen Giacomazzi wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt wird und er sich dafür rechtfertigen muss, dass das Schiff vermutlich überladen war und mehr Menschen als erlaubt an Bord waren. Auch machte sich die restliche Besatzung laut Zeugenaussagen schnell von Bord. Giacomazzi taugte schon bald nicht mehr zum Helden.

«Doch er löste international nicht das gleiche Kopfschütteln aus wie der "Costa»-Kapitän», sagt Kay Rodegra, Anwalt aus Würzburg, der deutsche «Costa»-Überlebende vertrat. Der stets sonnengebräunte Schettino machte sich zum Buhmann der Nation, als er behauptete, in ein Rettungsboot «gefallen» zu sein - und das sinkende Schiff sich selbst überließ. Schettino hatte vor Gericht zwar eingeräumt, den Kreuzfahrtkoloss nah an die Insel gesteuert zu haben, um einen befreundeten Offizier zu grüßen und einem Schiffskellner von Giglio einen Gefallen zu machen. Gleichzeitig zeigte er aber immer wieder auf die Crew, die eine Mitschuld an der Katastrophe habe. Entscheidende Leute hätten zum Beispiel seine Anweisungen nicht verstanden, weil sie kein Englisch oder Italienisch konnten.

Dafür, dass er zu früh von Bord ging, muss er nach Ansicht von Rechtsexperten wohl ins Gefängnis. Die Frage ist, wie lange. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von mehr als 20 Jahren, unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Ende Januar geht der Prozess gegen Schettino im Teatro Moderno der toskanischen Stadt Grosseto mit den Aussagen von Zeugen der Verteidigung und den Plädoyers weiter. Im Februar oder spätestens März soll das Urteil in dem zähen Strafprozess fallen.

Auf der Insel Giglio ist man jedenfalls froh, dass dies der erste Jahrestag ohne das Schiffswrack vor der Küste ist. «Ich würde nicht sagen, dass wir uns freuen angesichts dieser Tragödie, aber wir sind sehr zufrieden, dass das Wrack weg ist», sagt Bürgermeister Sergio Ortelli. «Die Situation ist jetzt sehr viel ruhiger, wir haben ein bisschen unseren Alltag zurückbekommen.» Im Juli wurden die Überreste der «Costa» quer durch das Mittelmeer nach Genua zum Verschrotten geschleppt.

Am Dienstag ertönt wie die letzten Jahre auch um 21.45 Uhr ein Glockenschlag - dem Zeitpunkt, als die «Costa» in jener kalten Januarnacht den Felsen rammte. Auch mit einem Gottesdienst und einem Fackelzug erinnern die Bewohner an das Unglück, erzählt Ortelli, der bei dem Feuer auf der «Norman Atlantic» auch an die Momente nach der Havarie der «Costa» zurückdenken musste. «Ich habe die starken Emotionen von damals wieder durchlebt.»

Foto: www.pixelio.de/ Karl-Heinz Laube



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