Ein Auslaufmodell lebt weiter - Reisebüros im Wandel

Das Reisebüro schien ein Auslaufmodell zu sein. Zuletzt gab es wieder einen Aufwärtstrend. Das Internet bleibt eine mächtige Konkurrenz, ist zugleich aber auch ein wichtiger Treiber der Branche.

Es galt eigentlich als ausgemachte Sache: Die Reisebüros erwartet ein ähnliches Schicksal wie die Buchhändler. Ihre Zahl wird kontinuierlich sinken, ein kleiner Rest mit wenigen großen Ketten an der Spitze bald nur noch ein Schattendasein fristen in einem Markt, den Online-Portale dominieren. 

Da klingt ein Satz schon mutig, wie ihn der Vorstandschef des Reisekonzerns Tui, Friedrich Joussen, unlängst aussprach: «Das Reisebüro hat noch nicht ausgedient», sagte er auf der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft Mitte Februar.

 

Es gibt Indizien, die seine These stützen. Die jüngsten Marktdaten zeigen: Reisebüros haben eine Chance, doch sie werden ihre Internet-Auftritte noch stärker als bisher als Vertriebskanal nutzen müssen.

Ermutigend für die Reisebüros ist die Tatsache, dass ihre Zahl im vorigen Jahr erstmals seit zehn Jahren wieder anstieg, um 100 auf 9829 Filialen. Der Zuwachs kommt vor allem durch jene Reisebüros zustande, die mindestens zwei Veranstalterlizenzen besitzen. Deutlich schwerer haben es kleine Büros mit nur einer solchen Lizenz. Sie sind zu Teil auf Nischenmärkte wie exotische Fernreisen spezialisiert.

Und die Läden in den Städten werden kräftig entstaubt: Statt Schalter und Büro sind lauschige Sitzecken und Bistro-Stil angesagt. So gestaltet etwa der Tui-Konzern einen Teil seiner Hapag-Lloyd- und First-Reisebüros entsprechend um. Mit Sofas und einer Cáfe-Bar soll quasi schon bei der Buchung ein bisschen Urlaub simuliert werden.

Dem Chef des Verbandes Internet Reisevertrieb, Michael Buller, gefällt es aber nicht, wenn von einer Renaissance der Reisebüros gesprochen wird. «Die Botschaft ist falsch. Die Digitalisierung geht weiter», sagte er am Mittwoch auf der Reisemesse ITB in Berlin.

Die Branche in Deutschland stehe noch ziemlich am Anfang, was die Vermarktung per Internet angehe. «Das sind bisher nur Fingerübungen», meint Buller. Doch schon jetzt sei das Internet der große Treiber. 2014 sei der deutsche Reisemarkt insgesamt um sechs Prozent gewachsen, bei den Online-Buchungen jedoch um 13 Prozent, rechnet der Internet-Vertriebsspezialist vor. Der Anteil der Internet-Buchungen, einschließlich der Online-Reisebüros, lag 2014 bei 39 Prozent - Tendenz steigend.

Für die Reisebüros gilt es daher, ihren Online-Vertrieb parallel aufzubauen, um möglichst viele Kundengruppen ansprechen zu können. Die jüngste bundesweite Studie zum Reisemarkt zeigt etwa, dass die Gruppe der älteren und betuchten Urlauber stetig größer wird. Diese Menschen gehen noch eher in ein Reisebüro als jüngere, die häufiger ihre Unterkunft übers Handy buchen.

Den Jüngeren ist dabei aber wichtig, authentische Eindrücke über die Reiseziele zu bekommen, ergab eine Befragung von Reisenden im Alter bis 27 Jahren. Das spricht für aufwendigere Präsentationen auf den Webseiten von Veranstaltern, Portalen und Reisebüros.

So dürften stationäre Reisebüros und Internet weiter zusammenwachsen. Die Berater aus Fleisch und Blut werden tendenziell dann gefragt sein, wenn es um komplexe Reisen oder um Sonderwünsche geht. Dann geht es im Laden mitunter schneller als beim Durchklicken durch das Riesenangebot des globalen Internets. Das hat im Februar etwa die Stiftung Warentest festgestellt. Klassische Pauschalreisen, die im Reisebüro gebucht wurden, waren bei dieser Untersuchung übrigens nicht teurer als im Internet.

Foto: www.pixelio.de/ Thorben Wengert



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