Vor 100 Jahren: Die Tragödie des Luxusliners "Lusitania"

Im Mai vor 100 Jahren sank im Ersten Weltkrieg der britische Passagierdampfer «Lusitania», nach dem Angriff eines deutschen U-Bootes. Bis heute gibt es viele Fragen.

Der Nebel hat sich verzogen, der Himmel ist wolkenlos, die See ruhig. Durch sein Fernglas erspäht der deutsche U-Boot-Kommandant Walther Schwieger einen gewaltigen Dampfer: die britische «Lusitania», das schnellste und glanzvollste Passagierschiff seiner Zeit, der Stolz der britischen Cunard-Line. Um 14.10 Uhr gibt Schwieger Feuerbefehl. 35 Sekunden später trifft ein Torpedo die «Lusitania». Kurz danach gibt es eine zweite Explosion an Bord. 18 Minuten später ist die «Lusitania» gesunken. 1198 Menschen sterben, nur 764 Passagiere überleben. Es ist der 7. Mai 1915.

Das Schicksal der «Lusitania» ist heute weitaus weniger im historischen Bewusstsein als die Titanic-Katastrophe im Jahr 1912. Dabei war der Untergang der «Lusitania» bei ihrer Überfahrt von New York nach Liverpool nach dem Angriff des U-Boots U 20 die größte Schiffstragödie im Ersten Weltkrieg.

 

Mehrere Bücher haben sich dem Stoff bereits gewidmet. 100 Jahre nach der Tragödie erzählt nun der US-amerikanische Autor Erik Larson die Geschichte - in einer dichten, packenden Reportage, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Larson beschreibt das Unglück aus verschiedenen Perspektiven, häufig wechselnd: das Leben an Bord der «Lusitania», das Schicksal von Passagieren, ihr Kapitän William Thomas Turner (ein «Seemann der alten Schule»). Auf der anderen Seite der junge deutsche Kapitänleutnant Walther Schwieger, «einer der erfolgreichsten und erfahrensten Kommandanten der deutschen Flottille», und das Leben an Bord von U 20. Schließlich: US-Präsident Woodrow Wilson und die britische Admiralität mit ihrem Ersten Lord Winston Churchill - und «Room 40», eine geheime nachrichtendienstliche Einheit der Briten.

Die Vorgeschichte: die britische Seeblockade beeinträchtigte die Versorgung Deutschlands stark. Daraufhin erklärte Deutschland im Februar 1915 die Gewässer rund um die Britischen Inseln zum «Kriegsgebiet» - darin würden alle feindlichen Schiffe ohne jede Warnung angegriffen. Das Ziel: die überlebensnotwendige Handelsschifffahrt der Briten unterbinden.

In Anzeigen in US-Zeitungen warnte die deutsche Botschaft vor möglichen Angriffen auch auf Handels- und Passagierschiffe. Was die Passagiere an Bord nicht wussten und erst viel später bekannt wurde: die «Lusitania» hatte Munition an Bord, darunter 1250 Kisten mit Schrapnellgranaten zur Auslieferung an die britische Armee.

Nachdem die «Lusitania» am 7. Mai 1915 gesunken war, war die Besatzung von U 20 in «Jubelstimmung», wie Larson schreibt, der sich auf viele Originalquellen bezieht, darunter das Kriegstagebuch des U-Boot-Kommandanten Schwieger. Weltweit aber löste der Untergang Abscheu und Entsetzen aus. US-Präsident Wilson schickte eine Protestnote an Deutschland, unter den Toten waren 123 Amerikaner. In den Krieg traten die Amerikaner aber erst zwei Jahre später ein - nachdem Deutschland im Februar 1917 den «uneingeschränkten U-Boot-Krieg» ausgerufen hatte. Nach dem «Lusitania»-Untergang waren die U-Boot-Aktivitäten zunächst eingeschränkt worden.

Um die «Lusitania»-Tragödie ranken sich bis heute viele offene Fragen - Larson nennt es ein «Meer der Geheimnisse»: warum wurde das Schiff nicht auf eine sicherere Route umgeleitet? Warum wurde ihr kein Geleitschutz zur Verfügung gestellt? Gab es eine Verschwörung der britischen Admiralität, die «Lusitania» in Gefahr zu bringen, um die USA zum Kriegseintritt zu bewegen? Denn die Admiralität wusste von der Gefahr. «Room 40» war im Besitz des deutschen Codebuchs und konnte verschlüsselte Geheimnachrichten abfangen, auch von U 20.

Der Untergang der «Lusitania» ist also noch immer nicht vollständig erzählt. 26 Jahre nach ihrem Untergang torpedierte ein U-Boot des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg das britische Schiff «Jedmoor». 31 der 36 Besatzungsmitglieder starben - unter ihnen der 55 Jahre alte Vollmatrose Percy Wilfred Turner - ein Sohn des «Lusitania»-Kapitäns.

Foto: www.pixelio.de/ joakant



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