Entdeckt, erforscht und ausgeraubt - Was nun mit der "Titanic"?

Gut 70 Jahre ruhte die «Titanic» ungestört auf dem Meeresboden. Seit ihrer Entdeckung 1985 reichen sich Forscher, Kamerateams und Goldgräber dort die Hand. Der Erhalt des berühmten Wracks wäre wohl möglich, sagt der Entdecker. Doch wer zahlt dafür?

New York (dpa) - Die Entdeckung der «Titanic» machte ihn über Nacht berühmt. Glücklich macht sie ihn nicht. Der US-Ozeanograph Robert Ballard hatte das Wrack des legendären Luxusdampfers zusammen mit seinem französischen Kollegen Jean-Louis Michel am 1. September 1985 geortet. Der Fund in 3800 Meter Tiefe vor der Küste von Neufundland (Kanada) jährt sich an diesem Dienstag zum 30. Mal.

Mit ihm begann der unerwünschte Trubel an einer Stätte, die aus Sicht von Ballard und Kollegen vor allem ein Massengrab ist. Gut 1500 Männer, Frauen und Kinder waren nach der Kollision des Ozeanriesen mit einem Eisberg am späten Abend des 14. April 1912 in den Eisfluten gestorben. Nur 700 Menschen wurden gerettet. Nach zwei Stunden und einundvierzig Minuten war das von Luxus und technischer Innovation strotzende Schiff, «die unsinkbare Titanic», im Atlantik versunken.

Ballard tauchte 1986, im Jahr nach der Entdeckung, erstmals hinab zum Wrack. «Es war ein unglaubliches Erlebnis», schilderte er der Nachrichtenagentur dpa später. «Wir haben alles sorgfältig fotografiert und ein komplettes Mosaik des Schiffes erstellt.» Ein aktuelles Interview des Direktors des Center for Ocean Exploration der Universität von Rhode Island fiel aus aufgrund von Reisen.

Als Ballard 2004 zur «Titanic» zurückkehrte, erkannte er sie kaum wieder. Der Meeresboden war mit Bierdosen und anderem Abfall übersät, klagt er in einem Artikel für das «National Geographic Magazine». Durch das Aufsetzen von U-Booten - unter anderem mit dem «Titanic»-Regisseur James Cameron an Bord - seien einige Decks dem Einsturz nahe oder bereits eingeknickt.

Bergungsunternehmen hätten «Tausende Objekte von dem Ort entfernt, der für mich heilig ist», Bierfirmen den Mythos der «Titanic» für Werbezwecke missbraucht. Ein Liebespaar aus New York habe sich am Bug des gesunkenen Schiffes trauen lassen. «Ein solcher Zirkus - genau das, was ich nie wollte», beschwert sich Ballard bitter.

Der Archäologe James Delgado von der Nationalen Meeres- und Atmosphärenbehörde (NOAA) der USA fürchtet den Unrat von Touristen und Souvenirjägern im Gewässer rund um die «Titanic». Der Abfall nähre Mikroben, die sonst unter extrem kargen Bedingungen leben müssten und fördere ihre Vermehrung. Zu ihnen gehören seltene eisenfressende Bakterien, die den Verfall des Wracks noch erheblich beschleunigen könnten, warnt Delgado.

Ballard ist dennoch optimistisch. «Wir glauben, dass wir das Wrack erhalten können», sagte er der dpa. Er will den Rumpf von Robotern unter Wasser streichen lassen. So würden auch die neuen Supertanker überholt. «Wir haben die Technologie. Sie ist praktikabel.» Ballard meint, die eisenhungrigen Bakterien mit Injektionen ins Schiffsinnere vernichten zu können.

Als Geldgeber für das kostspielige Projekt sei jedes Land gefragt. Schließlich liegt das Wrack in internationalem Gewässer. «Wenn wir die "Titanic" nicht (vor dem Verfall) schützen, welches Wrack dann?», fragt er. Und in der weiteren Zukunft? Vielleicht ein virtuelles Museum, meint Ballard. Das stellt er sich so vor: Roboter mit installierten Kameras liefern Aufnahmen aus der Tiefe und geben «Titanic»-Fans die Chance, das berühmteste Schiffswrack aller Zeiten live zu begutachten.

Foto: www.pixelio.de/ Maximilian Evertsbusch



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