Touristenrekord trotz Terror: UNWTO erwartet auch 2017 Anstieg

Die Reiselust lässt sich vom Terror nicht trüben. Dank des siebten Anstiegs in Folge wurde 2016 ein neuer weltweiter Touristenrekord erreicht. Eine vergleichbare Wachstumsserie hatte es zuletzt in den 1960er gegeben.

Madrid (dpa) - Die Touristen trotzen dem Terror: Ungeachtet der Anschläge und der internationalen Konflikte ist im vergangenen Jahr ein weltweiter Urlauber-Rekord erzielt worden. Die Zahl der Auslandstouristen sei 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent auf gut 1,23 Milliarden gestiegen, teilte die UN-Tourismus-Organisation (UNWTO) am Dienstag in Madrid mit. Es sei bereits das siebte Wachstumsjahr in Folge gewesen, hieß es. Auch für 2017 sei ein Anstieg von etwa drei bis vier Prozent zu erwarten.

«Die Zahlen bedeuten, dass im Vergleich zu 2015 fast 46 Millionen Menschen mehr gereist sind», sagte UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai. Die größte Herausforderung für die Branche sei es, die Sicherheit der Urlauber angesichts der Bedrohung durch Terrorismus zu gewährleisten. «Die Ziele sind oft Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels, Museen, Strände - die gesamte touristische Infrastruktur also», sagte Rifai.

Ein ähnlich stetiger Anstieg der internationalen Touristenzahlen wie in den vergangenen sieben Jahren war nach Angaben der UNWTO zuletzt vor einem halben Jahrhundert in den fernen 1960er Jahren registriert worden. Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 sei die Zahl der Touristen um rund 300 Millionen Reisende geklettert. Noch ein Beispiel für die stetig wachsende Reiselust: In den vergangenen 20 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Touristen.

Im Kontinentalvergleich zeichnete sich 2016 vor allem die Entwicklung in den Regionen Asien und Pazifikraum aus, die rund acht Prozent mehr Touristen als 2015 empfingen. Afrika konnte ein ähnliches Wachstum verzeichnen, der Kontinent empfängt aber nur fünf Prozent aller Auslandsreisenden und hat somit einen sehr kleinen Anteil am Weltmarkt. Der gute Anstieg sei jedoch nach den negativen Auswirkungen des Ebolafiebers sehr positiv, meinte Rifai.

Nach Süd-, Mittel- und Nordamerika reisten 2016 den Angaben zufolge rund vier Prozent mehr Touristen als im Vorjahr. Europa wuchs zwar nur um rund zwei Prozent, einige Länder (darunter vor allem Spanien) konnten hier aber von der Unsicherheit und Ungewissheit in anderen Regionen profitierten und feierten zweistellige Zuwachsraten. Um vier Prozent gingen die Zahlen unterdessen im Nahen Osten zurück.

Rifai wies daraufhin, dass 2017 von den Vereinten Nationen zum «Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung» erklärt worden sei. «Wir müssen enger zusammenarbeiten, damit der Tourismus mehr zum Wirtschaftswachstum, zur sozialen Eingliederung, zum Schutz von Kultur und Umwelt und gerade in diese Zeiten von Respekt- und Toleranzmangel auch zum gegenseitigen Verständnis beiträgt», betonte er.

Die UNWTO zählt als Touristen alle Reisenden, die wenigstens eine Nacht im Ausland verbringen. Nach ihren Angaben hat die Branche weltweit direkt und indirekt einen Anteil von fast zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt und stellt rund neun Prozent der Arbeitsplätze.

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