Häfen werden zum Problem beim Wachstum der Kreuzfahrten

Eigentlich leben die Manager der Kreuzfahrt-Industrie in einer idealen Business-Welt: Die Kunden stehen Schlange, jedes neue Schiff ist sofort ausgebucht. Doch der Boom hat auch Schattenseiten, und die könnten den Erfolg der Kreuzfahrten bremsen.

Hamburg (dpa) - Der Markt macht den Kreuzfahrt-Reedereien keine Probleme. «Wir brauchen vor allem mehr Schiffe, um mehr Passagiere zu gewinnen», sagte Aida-Chef Felix Einhorn am Mittwoch auf der Fachmesse «Seatrade Europe» in Hamburg. Und seine Kollegin Wybcke Meier von Tui Cruises bringt es auf den Punkt: «Mehr Schiffe, mehr Kapazität, das wird die Passagierzahlen in die Höhe treiben.» Zwei Millionen Touristen aus Deutschland buchten im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt, im Jahr 2020 sollen es drei Millionen sein.

Auch global stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Also ordern die Reedereien so viele Kreuzfahrtschiffe wie möglich. 75 Schiffe stehen in den Auftragsbüchern der vier Werften, die technologisch in der Lage sind, solche anspruchsvollen Schiffe zu bauen. Das bedeutet: Bis zum Jahr 2025 kommen noch einmal 250 000 Kabinen dazu; die weltweiten Kapazitäten steigen damit um 40 Prozent. Vielleicht auch um 50 Prozent, wenn noch Bestellungen dazukommen.

Weltweit werden im Jahr 2022 dann 30 Millionen Passagiere auf Kreuzfahrt gehen, 2026 schon 35 Millionen und 2030 erwartet die Branche schließlich 40 Millionen Gäste. Für Kyriakos Anastassiadis, den Europa-Präsidenten des Branchenverbandes CLIA, ist selbst das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: «Weltweit gibt es 1,3 Milliarden Touristen.» Da sei noch mehr drin.

Zehn Vorstandsvorsitzende und Präsidenten schwärmten bei einer Fachmesse von der gesunden Entwicklung des Marktes und der regen Nachfrage der Kunden. «Wir hatten nie Überkapazitäten», sagte David Dingle, Chef der Reederei Carnival in Großbritannien. Und Karl J. Pojer von Hapag-Lloyd Cruises ergänzte: «Da ist genug Potenzial, das eingesammelt werden kann. Wir brauchen zielgruppengerechte Angebote und fantastische Schiffe.» Gerade im Super-Luxus-Segment ließen sich die Angebote noch ausweiten.

Doch an Land kommen viele Hafenstädte mit dem Wachstumstempo der Kreuzfahrtindustrie nicht mehr mit. In einigen Städten habe sich eine «Touriphobie» breitgemacht, also eine Abneigung gegen Touristen, weil viele Urlauber kämen und zum Beispiel Wohnungen an Touristen statt an Einheimische vermietet würden, sagte der Chef der Pullmantur-Gruppe, Richard J. Vogel. Die Kreuzfahrtschiffe seien aber nur ein Teil des Problems; die weitaus meisten Besucher von Städten wie Barcelona oder Venedig reisten mit dem Flugzeug an, sagte er.

Die Branche sieht das Problem, aber offenbart auch eine gewisse Hilflosigkeit im Umgang damit. «Wir brauchen mehr Kommunikation, Zusammenarbeit und Absprachen mit den Hafenbehörden», sagte Neil Palomba, Präsident der Kreuzfahrtreederei Costa Crociere. Die Infrastruktur der Häfen und in den Hafenstädten müsste sich schneller entwickeln. Damit gemeint sind nicht nur Abfertigungsanlagen und Verkehrsmittel, sondern auch Hotels und Restaurants und die Versorgung der Schiffe mit Energie, Treibstoffen und Nahrungsmitteln.

«Wir müssen deutlich machen, dass wir eine junge Industrie sind, aber unsere Fortschritte stolz vertreten», sagte Anastassiadis. Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Umwelt gehörten ebenso wie Sicherheit zu den drei wichtigsten Grundsätzen der Branche.

Andererseits fahren nur 17 der 75 Schiffe im Auftragsbuch mit verflüssigtem Erdgas (LNG), dem umweltfreundlichsten Treibstoff für Schiffe. Das sind überwiegend die großen Schiffe für mehrere Tausend Passagiere. Die Carnival-Gruppe legte bei der «Seatrade» das erste von sieben Schiffen auf Kiel, die LNG im Hafen und auf See nutzen können und zwischen 2018 und 2022 in Dienst gestellt werden sollen.

«Das geht nicht über Nacht, sondern ist eine langfristige Entwicklung», sagte Eichhorn. Und sein Kollege Pojer von Hapag-Lloyd hält LNG nicht für jedes Kreuzfahrtschiff für geeignet, weil es eben noch nicht überall die nötige Infrastruktur gibt. «In Kamtschatka werden wir auch in 25 Jahren noch kein LNG bekommen.»

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