Zerstrittene Orthodoxie - Himmel und Hölle in Montenegro

Montenegros Religionsgemeinschaften sind verpolitisiert und seit Jahren heillos zerstritten. Vor allem die beiden christlich-orthodoxen Kirchen liegen sich unversöhnlich in den Haaren. Die heutige montenegrinisch-orthodoxe Denomination spaltete sich erst 1993 von der dominierenden serbisch-orthodoxen Kirche ab. Sie ist eng mit den regierenden Parteien verbandelt, die im Jahr 2006 die Unabhängigkeit erstritten. Umgekehrt sieht sich die serbisch-orthodoxe Kirche als Hüterin des Serbentums in der abtrünnigen Adriarepublik.

Mit Amfilohije steht ihr ein scharfzüngiger Metropolit vor, der den Streit der Kirchen jetzt auch ins Ikonografische gewendet hat. In der Hauptstadt Podgorica wurde ein Gotteshaus gebaut, dessen Inneres traditionsgemäss mit Fresken geschmückt ist. Nicht nur Heilige und Kirchenväter sind hier zu sehen. Auch zeitgenössische Akademiker, Priester und Politiker sind nach byzantinischem Stil, aber klar erkennbar an den Wänden verewigt. Auf der einen Seite stehen die Gottgefälligen, unter ihnen der verstorbene serbische Patriarch Pavle, der Moskauer Patriarch und natürlich Amfilohije selber.

Auf der anderen Seite aber ertrinken im Flammenmeer die Sünder. Marx, Engels und Marschall Tito schmachten im Feuer, und hinter ihnen schmoren, dank Glatze und Haartolle gerade noch erkennbar, Lenin und Stalin. Ein leibhaftiger Teufel hält den Parlamentspräsidenten Ranko Krivokapic auf dem Schoss – eine Anspielung darauf, dass dieser Politiker, wie auch Ministerpräsident Milo Djukanovic, auf der Seite der abtrünnigen montenegrinischen Kirche steht.

Doch dann drängt sich dem Betrachter ein doppeltes Mysterium auf: Auch Djukanovic ist abgebildet, aber nicht im Feuer bratend, sondern entspannt von Frommen umgeben. Und dies, obwohl er doch als Vater der Unabhängigkeit gilt! Noch rätselhafter ist es, sein Bild ausgerechnet hier zu finden, in einer Kirche, die der «Wiederauferstehung» gewidmet ist. Denn Djukanovic hat – politisch gesprochen – schon jetzt ein ewiges Leben. Er ist seit 20 Jahren an der Macht.



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