Bootsmarkt - BestBoats24
Sie sind hier:
Seenomaden: In acht Jahren um die ganze Welt
Doris Renolder und Wolfgang Slanec sind Seenomaden, sie leben auf einem Segelboot. Bereits zum zweiten Mal haben sie auf dem Schiff die Welt umrundet. Ihr ganzer Besitz ist immer nur eine Armlänge entfernt.Es liegt noch Schnee auf dem Gipfel des Schneebergs, dem östlichsten Zweitausender der Alpen, bevor sich die Landschaft zum Wiener Becken neigt. Keine 2700 Einwohner zählt der Kurort Puchberg am Fuße der Berge, wo Doris Renoldner und Wolfgang Slanec neuerdings wohnen. Die Gemeinde ist stolz auf ihre Bergbahn und 80 Kilometer Wanderwege ringsum. Gestern noch, da waren die Doris und der Wolf in eben diesem schönsten Wandergebiet Niederösterreichs unterwegs. „Schön ist's da heroben“, haben sie beide gesagt und sich dann angeschaut. „Aber eigentlich gehören wir nicht daher.“
Zum Geldverdienen an Land
Wo gehören zwei hin, die ihr halbes Leben unterwegs waren? Die praktisch 20 Jahre auf dem Ozean verbracht und dabei nun schon zum zweiten Mal die Welt mit einem kleinen Segelboot umrundet haben? „Das sind Reisen, die uns nicht bloß um den Globus geführt haben“, sagt Doris Renoldner. „Auch an unsere Grenzen.“ Das Leben auf dem Meer und mit der Natur hat die beiden Seefahrer so gefangen genommen, dass sie nicht mehr davon lassen mochten. Seenomaden nennen sie sich. Doris Ronoldner ist gerade 43 Jahre alt geworden. „Kein Ausstieg für zwischendurch, auch kein Trip oder Projekt“ sei das, sagt sie, und es klingt beinahe trotzig. „Das hier ist unser Leben.“ Nomad, die kleine Yacht aus Aluminium mit der roten Rollfock, ist das schwimmende Zuhause der beiden. „Alles, was wir besitzen, ist dort in Armeslänge von uns entfernt. Was wir nicht mitführen können, findet Platz in der Erinnerung“, sagt Doris Renoldner mit diesem heiteren Grundton in der Stimme, der keinen Zweifel aufkommen lässt. „Eine Lebensweise, die bestimmte Dinge voraussetzt. Gesundheit vor allem, und Urvertrauen. Und einen entspannten Umgang mit dem Mangel an Sicherheit.“ In diesem Frühjahr aber sitzt das Paar am Schreibtisch in einer Wohnung zur Miete in Puchberg am Schneeberg und bastelt an einer neuen Multimedia-Schau für die vielen Zuschauer, die den abenteuerlichen Fahrten dieser beiden zumindest einmal auf der Leinwand folgen wollen. Und sie schreiben ein erstes Buch. Europas führender Buchverlag, wenn es um Wassersport und Seefahrt geht, hat Interesse bekundet. Die Abenteurer auf Landgang wider Willen sind guter Dinge. Vor allem zum Geldverdienen sind die beiden Österreicher zurück an Land gegangen. Generalüberholung für das Boot
Die Nomad, das Schiff der Weltumsegler vom Typ Sonate Ovni 21, liegt auf Reede in einer Werft an der Adria - nach 65 000 Seemeilen ist sie dringend überholungsbedürftig. „Der Grund, warum wir aus dem Paradies zurückgekehrt sind“, sagt Wolfgang Slanec (55) achselzuckend. Sonst gab's eigentlich keinen. „Das Paradies“, meint Slanec, „findet man da draußen mit etwas Glück in sich selbst.“ Da draußen, das sind die Plätze der Welt, die noch verschont geblieben sind von globaler Massenkultur und medialer Überflutung. Man findet sie übers Mittelmeer hinaus hinter den Kap Verden, dann in einem langen Schlag weiter an Brasilien, Patagonien und Feuerland vorbei, einmal um Kap Hoorn herum. „Wir zitterten um unser Boot und zum ersten Mal auch um unser Leben“, notiert Doris Renoldner später im Logbuch. „Ist alles überstanden, kann man leicht mutig sein, darüber reden.“ Als nach der Rundung des Südzipfels von Amerika der Bootsnachbar in Puerto Williams fragt, woher die beiden kommen, antworten die windzerzausten Helden lapidar: „Kap Hoorn. Und du?“ - „Antarktis“, sagt da der andere.
Abenteuer pur
Sie segeln weiter durch die chilenischen Gletscherfjorde, später im Bummeltörn durch die Südsee. Er bringt die Österreicher zu tropischen Sehnsuchtsorten, die seit der Kindheit ihre Fantasie beflügeln. Sie steuern Robinson Crusoes Insel an, die Tuamotus-Atolle, Marquesas, Tahiti, Fidji und gelangen bis nach Mikronesien. Sie leben von Fisch, Kokosnuss und Tarawurzel. Einmal wird Wolf von einer fallenden Nuss am Kopf getroffen: Knockout - einer der kritischsten Momente unterwegs. Die Abenteurer ertragen Moskitos und Tropen-Geschwüre, lernen archaische Kulturen und rätselhafte Rituale kennen. Vor Kitava, einer Insel in Papua-Neuguinea, ankerte 18 Jahre vor der Nomad das letzte Mal eine Yacht. Nach Tikopia, einem Dorf in Melanesien, das aber von Polynesiern bewohnt wird, verirren sich ganz selten Fremde. Dort gibt es vier Häuptlinge, die der Reihe nach besucht werden wollen. Man kriecht durch eine niedrige Öffnung in ihre Hütte und bringt ihnen Geschenke dar als Zeichen des Respekts.Die Ankunft in Darwin / Australien ist ein Zivilisationsschock, aber die Entscheidung lautet Heimkehr nach Österreich. Für wie lange? Auf keinen Fall für ewig. Sie wollen wieder los, wenn das Schiff klar ist und die Bordkasse gefüllt. Schauen, wie weit die Welt reicht.
Mit Material der kölnischen Rundschau
Neueste Artikel
Termine & Events
- 01.11.2011 - 04.11.2012 Boat Brno
- 03.02.2012 - 12.02.2012 Båtmässan - Göt...
- 08.02.2012 - 10.02.2012 Seatec - Sea Techn...
- 09.02.2012 - 18.02.2012 Helsinki Internati...
- 10.02.2012 - 15.02.2012 Boot Holland































