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Tödliche Gefahr: Die schwarze Bora
Für den Obmann der MKT und seine Familie war die Segelsaison vorüber und er hatte nur noch seinen Wohnwagen in Medulin/Kroatien abzubauen. Da sah er erstmals mit eigenen Augen ein Schauspiel der Natur, welches wahre Gewalt erahnen ließ.Nachdem nur mehr diese Woche dazu verwendet werden konnte, um den Wohnwagen abzubauen und winterfest zu machen, machtre man sich auf nach Medulin. Am 26. September 2008 saßen gerade alle beim Mittagessen; es gab Schinkenfleckerln mit grünem Salat, und blickten auf das ruhige Meer in Richtung Westen. Die Sonne schien von Süden her, über dem Wohnwagen kam eine Wolkendecke auf. Plötzlich kam der italienische Nachbar Paolo dahergelaufen und versuchte in seinem Dialekt auf etwas aufmerksam zu machen. "Nicht einmal beim Mittagessen hat man Ruhe", dachte sich die Familie geschlossen. Als er dann lautstark mit Händen unterstützend uns aufmerksam machte nach Osten zu blicken, hatten wir wahrlich zu schlucken und es wurden alle todernst. Hier herschte gerade noch Windstille, aber die beiden Windsäulen, die nun alle erblicken konnten, haben sich wie eine alles zermalmende Zentrifuge gedreht. Seine Gattin machte den Kelomat zu und schob ihn kurzerhand unter den Wohnwagen - es sollte ja dem Mittagessen nichts geschehen - und setzte sich mit beiden Kindern ins Auto, um die Kirche in Medulin zu erreichen, die nicht nur wegen ihrer beiden Türme sondern auch wegen ihrer besonders dicken Mauern bekannt ist.
Erhebliche Verwüstungen
Sicher ist sicher, und das Handy ging auch noch mit! Als Stammesältester versuchte der Obmann noch den Wohnwagen mit weiteren Spanngurten zu sichern und schlug noch ein paar weitere Sturmharinge ein. Die schmale Windsäule überholte den dicken "Twister", welcher zuerst im Raum von Liznjan bis zur Erde reichte und erhebliche Verwüstungen anrichtete, im Norden. Boote wurden samt ihren mobilen Betonverankerungen durch die Luft geschleudert, doch Personen kamen - Gott sei Dank - keine zu Schaden. Der Dicke löste sich kurz danach langsam vom Boden her beginnend auf; der Dünne traf vermutlich zwischen Valtura und Sisan auf istrianisches Festland. Beim Auflösen der dicken Windsäule wurde in den Wolken ein Loch gebildet, durch welches kurz die Sonne durchzuscheinen schien. Dann noch eine kurze Rauchfahne, die aus dem Loch zur Erde schoss und anschließend wie durch Zauberhand verpuffte.
Abwettern an Land
Nach kaum einer Stunde war das gefährliche Schauspiel der Natur vorüber. Die Adrenalinausschüttungen besonders des Obmannes waren - seinen Angaben nach - erheblich gewesen. Nicht nur in der Karibik, nein auch in der Adria wie auch im restlichen Mittelmeer können so mächtige Windsäulen entstehen und ihr Unwesen treiben.Diese erstmals so hautnah miterlebte Naturgewalt flößte der gesamten Familie mächtig Respekt ein und alle waren heilfroh, nicht auf See gewesen zu sein, da das Abwettern sich vermutlich etwas erschwert dargestellt hätte. Bald beruhigte sich der Sturm wieder und die Gattin samt Kindern tauchte wohlbehalten wieder auf. Ein Blick - alles in Ordnung. Sie nahm den vor dem Twister geschützten Kelomat unter dem Wohnwagen heraus, wärmte die Schinkenfleckerln noch kurz auf und die Familie aß wieder beruhigt weiter. Verdammt viel Glück gehabt!
Am 20. Juni 2009 wiederholte sich auf dem Campingplatz KAZELA ein ähnliches Spektakel; nur da wurden einige Wohnwägen und Wohnmobile samt Zusatzausrüstungen erheblich beschädigt. Sogar einige Personen mussten ärztlich versorgt werden. Die "Schwarze Bora" bedeutet also sicherlich Gefahr für Leib und Leben!
Quelle: Kleine Zeitung, Graz
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