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Montenegro: Touristen, Freunde, Russen...
Russische Urlauber haben den neuen Zwergstaat Montenegro als Urlaubsziel entdeckt - zumal sie für die Einreise kein Visum benötigen. Auch im Immobiliensektor des Landes sorgen die Russen für einen Boom An manchen Tagen packt Diki Kazanegra, den Präsidenten des Tourismusverbandes von Montenegro, die Furcht vor Überfremdung. "Ich habe ein wenig Angst", sagt er, "dass es in Budva bald nur noch nach Borschtsch riecht und nach Kalinka klingt." Die Sorge ist begründet. Die Sand- und Kiesstrände rund um das malerische Küstenstädtchen Budva sind das Herzstück des montenegrinischen Tourismus und seit jeher ein beliebtes Ziel für Reisende aus den anderen Teilen des einstigen Jugoslawien.
Doch in letzter Zeit sind es immer häufiger Russen, die ihren Urlaub an diesem Teil der Adria verbringen. Im vergangenen Jahr buchten Gäste aus dem Riesenreich über ein Fünftel der insgesamt 2,2 Millionen Übernachtungen - mit stark steigender Tendenz. Einreise ohne Visum Auf den Straßen und in den Restaurants ist Russisch allgegenwärtig, und auch die Reiseführer in den montenegrinischen Klöstern haben sich auf die Besucher eingestellt. "Die Russen und wir sind Slawen und orthodoxe Christen, das verbindet uns", sagt ein Reiseleiter an der Uferpromenade von Budva. Doch hinter dem Zustrom verbergen sich wohl eher pragmatische Gründe. "Es ist eben ganz einfach, hierherzufliegen", sagt Olga Petricevic vom privaten russischen Informationszentrum in Budva. Anders als in den EU-Staaten benötigen Russen für die Einreise nach Montenegro kein Visum. Eine Handvoll großer
Pauschalreiseveranstalter hat dafür gesorgt, dass die Zahl russischer Urlauber seit 2000 jährlich um 50 Prozent zunahm. Das anhaltende Wirtschaftswachstum und die Entstehung einer Mittelklasse in Russland ließen immer mehr Menschen nach neuen Reisezielen suchen. Doch auch die richtig reichen Russen sind da - und investieren kräftig im Immobiliensektor Montenegros. Nach Schätzung lokaler Experten gingen 70 bis 80 Prozent der bisher in Budva verkauften Gebäude und Grundstücke an Käufer aus Russland. Die Preise liegen bereits 20 bis 30 Prozent über denen des Vorjahres. An der Adriaküste beträgt der Quadratmeterpreis für neue Apartments schon bis zu 3000 Euro. Verlängerte Saison Urlaubsparadies Montenegro Urlaubsparadies Montenegro Unter den Käufern sind dem Vernehmen nach auch bekannte Namen wie der FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch und der Aluminiummagnat Oleg Deripaska. Jelena Baturina, die Frau des Moskauer Bürgermeisters, ist angeblich Mehrheitseignerin des Fünfsterne-Hotels "Splendid" in Becici. Nicht weit davon entfernt entstehen derzeit unter dem Namen "Russisches Dorf" 30 Luxusvillen mit atemberaubender Sicht auf die Adria. Dank der russischen Gäste wurde nach Ansicht der montenegrinischen Tourismusorganisation NTO sogar die Saison deutlich ausgedehnt und dauert nun von März bis Ende Oktober. "Die Russen schwimmen auch dann im Meer", sagt NTO-Managerin Danica Ceranic, "wenn es für uns und die Westeuropäer viel zu kalt ist."
Norbert Rütsche/AN
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