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Kroatien: Ministerpräsident Sanader wirft hin

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 "Meine Arbeit ist getan, meine politische Tätigkeit beendet, doch mein Einsatz für den Fortschritt Kroatiens bleibt bestehen." Mit diesen lapidaren Worten hat Kroatiens Regierungschef Ivo Sanader seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern angekündigt. Was ihn dazu bewogen hat, bleibt offen. Schon seit Wochen spekulierten Medien in Zagreb über einen möglichen Rückzug des Ministerpräsidenten. Mal wurde die Wirtschaftskrise als Grund genannt, dann wieder die Blockade in den Verhandlungen mit der Europäischen Union. Die EU sagte gerade vor ein paar Tagen eine weitere Gesprächsrunde über den Beitritt Kroatiens ab. Den glühenden EU-Befürworter Sanader muss das frustriert haben, denn sein Credo war seit Jahren stets dasselbe – egal ob auf kroatisch, englisch, französisch oder deutsch: "Meine erste Sorge und meine Bemühungen sind dem gewidmet, dass Kroatien sobald als möglich das 28. Mitglied der Europäischen Union wird."

 

Unseliger Grenzstreit verhindert Verhandlungen mit EU

Spätestens 2011 sollte es eigentlich so weit sein. Doch neben offenen Fragen bei der Justizreform und dem Kampf gegen Korruption verzögerte ein ums andere Mal ein unseliger Grenzstreit mit Slowenien die Verhandlungen - sehr zum Leidwesen von Sanader: "Es gibt eine offene Grenzfrage zwischen Slowenien und Kroatien. Slowenien ist mit dieser offenen Frage der Union beigetreten. Warum kann nicht Kroatien mit der gleichen offenen Frage beitreten? Das ist meine Frage. Und die Frage wird so beantwortet werden, dass es heißen soll: Auch Kroatien kann der Europäischen Union mit dieser offenen Frage beitreten." Sanader entstammt einer streng katholischen Arbeiterfamilie aus der Adriastadt Split. Im Studium widmete er sich zunächst den schönen Künsten, lernte Sprachen und promovierte an der Uni Innsbruck in Literaturwissenschaften:" 14 Jahre habe ich im Ausland verbracht, zuerst studiert, dann auch als Unternehmer, in Österreich. Mein Vater hat 30 Jahre lang in Deutschland gearbeitet", erinnert er sich.

 

"Ein Pudel unter Rottweilern"

Seine Auslandserfahrung kam Sanader auch beim Einstieg in die Politik in den 90er-Jahren zugute. Acht Jahre lang war er stellvertretender Außenminister unter Franjo Tudjman. Ein kroatischer Publizist nannte Sanader damals einen Pudel unter Rottweilern. Tatsächlich schlug er als einziger in der Führungsriege seiner Partei, der konservativen Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft HDZ, keine scharfen nationalistischen Töne an. Später, als Parteichef, verordnete er der HDZ ein europafreundliches Programm: "Wir sind heute Mitglied der EVP. Das ist ein klares Zeugnis dafür, dass die HDZ eine Partei ist, die für Demokratie, Menschenrechte, Minderheitenrechte und Marktwirtschaft eintritt, eine klare pro-europäische Politik führen wird", sagte er. Premierminister war Sanader seit 2003. Vier Jahre später wurde er wiedergewählt. Sein Ziel, sagt er, sei stets die Schaffung besserer Lebensverhältnisse in seiner Heimat gewesen: "Warum schaffen wir die Konditionen in Kroatien nicht, damit unsere jungen Leute nicht nach Deutschland, Österreich, Amerika gehen? Schaffen wir Deutschland in Kroatien, schaffen wir Amerika in Kroatien, schaffen wir Österreich in Kroatien, das ist mein Programm."

 

Nachfolgerin Jadranka Kosor?

Nachfolgerin von Sanader an der Spitze der kroatischen Regierung soll nun seine bisherige Stellvertreterin, Jadranka Kosor, werden. Sie gilt als enge Vertraute des bisherigen Premierministers und ist politisch bisher nur einmal aufgefallen: 2005 scheiterte sie bei dem Versuch, den populären linken Staatspräsidenten Stjepan Mesic in der Wählergunst zu schlagen.

 

EP/AN

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