Das süße Leben an der Adria

istrien-01Baden, wandern, schlemmen: Genießer fahren im Herbst auf die kroatische Halbinsel Istrien, wenn das Meer noch warm ist und das Olivenöl frisch gepresst. Win milder Regenschauer fegt über das steinerne Anwesen. Das Wasser sickert rasch in die grauweiße Erde von Kremenje nahe der kroatischen Stadt Buje. "Den Reben kann das nur guttun", sagt Marino Markezic. Trotzdem blickt er ein wenig missmutig über sein Weingut und den eilig abgeräumten Tisch unter der Eiche im Garten. Die Weinprobe im Freien ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Doch der Vorraum zum Weinkeller eignet sich dafür auch. Schließlich geht es von hier aus ins Herz des Weingutes Kabola, das Marino Markezic nach alten Plänen der traditionellen "Stancia" restaurieren ließ, jenes Gehöfts, das einst seinem Großvater gehörte.

 

 

 

Eine schmale Steintreppe führt vorbei an einer Statue des heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Winzer, in den Weinkeller. In riesigen Eichenfässern lagern hier seine Rotweine und einige der Weißweine. Gern erklärt Marino Markezic dann, wie der Wein von der Kelter im Nebenraum mit hochmoderner Technik bis zur Lagerung in den Holzfässern hergestellt wird. Und was das Besondere der Weine dieser Region ist, etwa des kräftigen, tiefroten Terans oder des stroh- bis goldgelben Malvasiers, nicht zu vergessen den typisch istrischen Muskat, einen Dessertwein mit kräftigem Muskataroma. Oben lässt Marino Markezic seine Gäste dann selbst urteilen, welcher Wein ihnen am besten schmeckt.

 

istrien-02Die für ihr klares Wasser bekannten Küsten Kroatiens sind touristisch längst kein Geheimtipp mehr, auch nicht die der Halbinsel Istrien, dem nördlichsten Teil des Landes, wo besonders Rovinj und Pula Touristen in Scharen anlocken. Anders sieht es mit dem Hinterland aus. Schon nach wenigen Kilometern, die man sich von der Küste ins Landesinnere entfernt, beginnt eine der Toskana nicht unähnliche Landschaft mit Hügeln, die von Olivenhainen und Rebstöcken überzogen sind, und kleinen Orten, in denen sich Häuser aus sandfarbenem Stein in engen Gassen aneinanderreihen.

 

Auf der Halbinsel Istrien lässt sich vieles miteinander verbinden - Baden und Radfahren, Wandern und Schlemmen. Denn seit dem Zusammenbruch Jugoslawiens vor 17 Jahren hat sich Kroatien auch kulinarisch weiterentwickelt.

Die unter der österreichischen k.u.k-Monarchie so fruchtbaren Terrassenanlagen waren unter den Kommunisten Brachen, die Weine jener Zeit sozialistische Massenware. Doch inzwischen werden in Istrien Weine von beachtlicher Qualität produziert. Einige der besten Olivenöle der Welt kommen von der Halbinsel, und in den Eichenwäldern rund um das Bergstädtchen Motovun wachsen Trüffel, die es mit denen des französischen Piemont und des italienischen Alba aufnehmen können. Es gibt viele Restaurants, die längst auch der "Gault Millau" entdeckt hat.

 

Doch wer die wahre kulinarische Bandbreite der Region kennenlernen will, der sollte in eine Konoba einkehren. Diese besondere Art des Gasthauses ist für Kroatien das, was die Osteria für Italien ist. Hier wird häufig noch am offenen Feuer gegrillt oder im Aschentopf (peka) geschmort. So auch in der Konoba "La Parenzana" in Volpia, einem Stadtteil der kleinen Stadt Buje.

 

Den Namen hat die Konoba von der Parenzana-Schmalspurbahn, die gleich hinter dem Gasthaus mit angeschlossenem Hotel beginnt. Die stillgelegte Trasse der historischen Deutsch-Parenzaner-Bahn, die einst Wein und Olivenöle für den österreichischen Kaiserhof nach Triest transportierte, ist zu einer Wander- und Radroute von Koper in Slowenien nach Porec in Istrien ausgebaut worden.

 

istrien-03Es gibt auch viele andere Rad- und Wanderwege auf der Halbinsel, die sich genauso lohnen. Denn unzählige Wege verbinden die Ortschaften im Hinterland miteinander - dank Titos Slogan: "Elektrizität und Asphalt für jedes noch so kleine Dorf". Wer nach einer solchen Wanderung oder Radtour im "La Parenzana" einkehrt und an einem der Tische vor dem Haus inmitten eines Lavendelbeetes Platz nimmt, der findet auf der Speisekarte den typischen luftgetrockneten Schinken (Prosciutto) Istriens, Speck (Panceta) und getrocknetes Schweinskarree (Ombolo), aber auch Gulasch und selbst gemachte Pasta mit Trüffeln.

 

An Speisekarten wie diesen lässt sich die wechselvolle Geschichte des Landes ablesen, das unter italienischer, österreichisch-ungarischer, im Zweiten Weltkrieg unter deutscher und bis 1991 unter jugoslawischer Herrschaft stand.

Spuren hat diese Geschichte auch an vielen anderen Stellen hinterlassen - an der Architektur in den Städten etwa oder in der Sprache (neben Kroatisch ist Italienisch in Istrien Amtssprache). Guido Schwengersbauer, Besitzer des "La Parenzana", kann hierüber viel erzählen. Seit mehr als drei Jahrzehnten lebt der gebürtige Österreicher in Istrien und ist mit einer Kroatin verheiratet. Er weiß, wie Land und Leute ticken, und vor allem weiß er, wo es in seiner Nähe gute Weingüter oder Olivenmühlen gibt.

 

Tranquilino Beletics Ölmühle Al Torcio in Novigrad ist so ein Tipp. Im Hof der Beletics stehen zwei große Steinplatten, die früher von vier Menschen bewegt werden mussten, um das Öl aus den Oliven zu pressen. Doch auf diese Art wird bei Al Torcio schon lange nicht mehr gemahlen. Die Ölmühle ist eine hochmoderne Anlage. Tranquilino Beletic hat sie in den vergangenen 15 Jahren zu einer der besten des Landes gemacht. Seine Öle wurden nicht nur im "Feinschmecker" ausgezeichnet, sondern auch im italienischen Weltführer der Olivenöle, dem "L'Extra Virgine".

 

Dabei hatte sich Tranquilino Beletic lange Zeit gegen die Familientradition gestemmt, er fuhr lieber Lkw und führte am Meer ein kleines Hotel. Erst Anfang der 90er-Jahre fand er zu den Oliven zurück und begann, die Mühle zu modernisieren, ohne altbewährte Traditionen aufzugeben. Bei Tranquilino Beletic werden die Oliven noch per Hand gepflückt, zwischen Ende Oktober und Mitte November, "denn das beste Aroma wird erreicht, wenn ein Drittel der Oliven noch grün ist", sagt er. Nach spätestens sechs Stunden werden sie gepresst, sonst oxidieren sie.

 

Die frühe Ernte bei Al Torcio führt nicht nur dazu, dass die Öle deutlich charaktervoller sind; sie schmecken stärker nach Gras, sind fruchtiger oder bitterer. Sie sollen auch besonders gesund sein. Öl aus frühen Ernten hat einen um zehn Prozent höheren Gehalt der gesunden Ölsäure und ein Drittel weniger der ungesunden Palmitinsäure als bei der Ernte reifer Früchte. Gäste sind bei der Ernte gern gesehen. Sie können zuschauen oder mit anpacken. Und das, sagt Beletic, sei eine das Gewissen beruhigende Alternative für all jene, die nicht nur schlemmen wollen.

 

*Anreise: Mit Germanwings (www.germanwings.com) oder Croatia Airlines (www.croatiaairlines.com) nach Pula.

 

* Unterkunft: "La Parenzana", Buje, DZ ab 64 Euro, Tel. 00385/52/72 51 00, www.parenzana.com.hr, "Marina Nautica", Novigrad, DZ ab 172 Euro, Tel. 00385/52/60 04 00, www.nauticahotels.com

 

* Auskunft: Tourismusverband Istrien, www.istra.hr/de, www.istrien.com

 

* Die Reise erfolgte mit Unterstützung des Istrischen Tourismusverbandes.



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