Baron Gautsch: Titanic der Adria

Baron_Gautsch2Das im Ersten Weltkrieg gesunkene k.-u.-k.-Schiff „Baron Gautsch“ gilt als Tauchhighlight in der Nordadria. Spannend ist nicht nur das Taucherlebnis, sondern auch die Geschichte, die zum Untergang führte. Es ist der sonnige Nachmittag des 13. August 1914. Mit 306 Seelen an Bord – Sommerfrischler, Kriegsflüchtlinge und Besatzung – fährt die „Baron Gautsch“ die istrische Mittelmeerküste entlang. Der Kapitän schläft in seiner Kabine, der Erste Offizier speist im Saal des prachtvollen k.u.k.-Schiffes. Auf der Brücke wacht der Zweite Offizier – und freut sich über die Begrüßungs-Böller, die ein Schiff der österreichischen Marine abfeuert.

Seinen Irrtum bemerkt er erst, als zwei Explosionen das Schiff erschüttern. Das vermeintlich nette Feuerwerk waren Warnschüsse: Als Schutz vor englischen Angreifern hatte die eigene Marine den Küstenbereich vermint. Brennend sinkt die „Baron Gautsch“, 177 Männer, Frauen und Kinder sterben qualvoll.

Ein Jahrhundert später gilt das Schiff als eines der spektakulärsten Wracks des Mittelmeers – und wichtigste Attraktion für tauchende Kroatien-Touristen.

14 Grad, Strömungen, lange Anfahrt

Das k.u.k.-Schiff, eines von mehreren Wracks vor der istrischen Küste, gilt Tauchern als „Titanic der Adria“. Und wenn es auch – im Gegensatz zum britischen, in 3,8 Kilometern baron-gautschTiefe liegenden Luxusliner – mit maximal 40 Metern Tiefe für Sporttaucher gut erreichbar ist: Anspruchsvoll kann dieser Tauchgang tatsächlich sein. Das erfährt, wer nach einer Dreiviertelstunde Bootsfahrt die Absprungstelle erreicht.

Heftige, an einen Bergbach erinnernde Strömung kann das Abtauchen ebenso erschweren wie eine Sichtweite von wenigen Metern. Kann, muss nicht. Kalt ist es dagegen immer: 14 Grad Wassertemperatur selbst im Hochsommer erfordern einen dicken Neopren-Anzug. Die Kälte kommt nicht schleichend, sondern schlagartig, von einem Tiefenmeter auf den nächsten, den die Taucher sich am Seil nach unten hangeln.

Spannendes Kapitel der maritimen Geschichte

Wenn sich kurz darauf die Umrisse des stählernen Koloss abzeichnen, sind die Mühen vergessen: Ein Stück Seefahrt-Historie taucht aus dem Unterwassernebel auf. In fast 100 Jahren ist es mit dem Kiel, also fast „richtig“ stehend, teils metertief in den Meeresgrund gesunken, seine Aufbauten trägt es noch stolz erhoben.

1908 war der „Adria Eildampfer Baron Gautsch“ in Schottland vom Stapel gelaufen, 85 Meter lang, über elfeinhalb Meter breit, drei Oberdecks hoch, Stolz der damaligen Seenation Österreich. Nach sechs Jahren ziviler Fahrt charterte die Kriegsmarine das Prachtstück für den Flüchtlingstransport. Selbst das Wrack, eingetaucht in – je nach Wetter- und Strömungslage – tiefes Blau oder schmuddeliges Grün-Braun – lässt den Luxus jener Kreuzfahrer-Epoche noch erahnen. Leicht gleitet der Besucher durch das mit Korallen besetzte Stahlgerüst, die Brücke und den großen Dinnersaal. Die oberen zwei Stockwerke sind offen und lichtdurchflutet, die Ebenen darunter für Sporttaucher aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Von außen ließe sich der Rumpf leicht umrunden – allein die „Grundzeit“, die ein Taucher gefahrlos in 30 bis 40 Meter verbringen kann, beschränkt den Ausflug an der tiefsten Stelle auf etwa zehn Minuten. Die im Sand versunkenen Schrauben sind ohnehin kaum mehr identifizierbar – ebenso wie das Loch, das die Minen der eigenen Marine an der Steuerbordseite gerissen haben.

Flucht durchs Öl

Baron_Gautsch_5Sehr schnell hat das stolze Schiff damals Schlagseite bekommen und ist gesunken. So schnell, dass der Kapitän, aus seinem Schlaf gerissen, nicht mal in seine Uniform schlüpfen konnte – er wurde in Unterhosen in dem Chaos gesichtet, das sich einstellte. Alles rennt; retten und flüchten geht nicht: Die überforderten Besatzungsmitglieder bekommen die Rettungsboote nicht klar. Es müssen sich Szenen abgespielt haben, die kein Hollywood-Regisseur zu inszenieren wagen würde. Mütter versuchen, ihre Kinder zu retten – manche, indem sie ins Wasser springen. Das ist an der Oberfläche deutlich über 20 Grad warm, niemand muss erfrieren, zumal schon mehrere andere Schiffe mit Volldampf zur Unglücksstelle eilen. Zum Verhängnis wird den Schwimmenden, dass die „Baron Gautsch“ das erste österreichische Schiff ist, das mit Öl befeuert wird: Der Tank läuft aus, das Öl brennt an Deck – und auch an der Wasseroberfläche.

Nur 129 Menschen werden gerettet, 177 sterben. Das Ausmaß der Tragödie ist den Hobbytauchern bewusst: Jeder, der hierher kommt, beschäftigt sich mit der Geschichte des Wracks; die Tauchbasis hält Dokumentationsmaterial bereit. Das meiste ist gesichert, manches Gerücht. Wie dieses: Der wachhabende und somit verantwortliche Zweite Offizier soll Tage später an die Küste gespült worden sein – mit einer Kugel im Kopf.

Mit freundlicher Genehmigung Focus-Online/Bilder privat



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