Kroatien: Abzocke im Skipperparadies

inselpiraten.jpgWas gibt's schöneres, als jeden Morgen aufzustehen und sich auf einer Segelyacht vom Wind an der dalmatinischen Küste treiben zu lassen. Lesen Sie die Erfahrungen des Hobbyseglers Elgar Zöhrer in Kroatien.

Die dalmatinische Küste ist eines der besten Segelreviere der Welt. Es gibt dort weder gefährliche Strömungen noch giftige Meeresbewohner. Haifische sieht man äußerst selten, sehr wohl aber muntere Delphine, die sich mit der Geschwindigkeit eines Schiffes messen.

Vor dem Krieg gab es fast nur deutsche und österreichische Urlauber (meist Stammgäste). Urlauber aus den ehemaligen Ostländern gab es - bedingt durch den „Eisernen Vorhang“ - kaum. Nach dem Krieg aber blieben die traditionellen Stammgäste aus und stattdessen kamen viele Ungarn, Tschechen und Polen.

Wenn man heute auf der fantastisch ausgebauten Autobahn in Richtung Split fährt, begegnet man nur wenigen Österreichern und diese chartern in der Regel Schiffe. Es ist kaum zu glauben, aber unser kleines Binnenland beherbergt eine Unzahl an Hobby-Kapitänen, die einen ausgezeichneten Ruf haben. Viele genießen Jahr für Jahr die wunderschönen Buchten zum Baden.

Leider ist aber nicht alles so schön. Das beginnt bereits an der Grenze

zu Slowenien, wo eine hohe Summe für die Vignette verlangt wird (35

Euro für die Monatsvignette oder 15 Euro pro Woche). Eigentlich

unverschämt für die etwa 12 km kurze Autobahnstrecke. Nach Maribor

führt eine enge und äußerst schlechte Straße zur nächsten Grenze.

Hat

man die Grenze zu Kroatien passiert, so erwarten einen grandios gebaute

Autobahnen, die aber auch ihren Preis haben. So bezahlt man etwa für

die Strecke Grenze – Split und retour über 50 Euro. Also für einen

zweiwöchigen Urlaub an der Adria kostet die Maut mehr als die

Jahresvignette in Österreich (Slowenien und Kroatien)! Aber wer rechnet

denn schon am Beginn seines Urlaubs?

Erstmals im Yachthafen Betina auf der Insel Murter angekommen,

übernimmt man ein Segelschiff, für das man je nach Größe mehrere

tausend Euro Chartergebühr zahlt.

Voll Freude geht es hinaus in die Kornat-Inseln, wo man in einer

einsamen Bucht den Anker legt um endlich den geruhsamen Urlaub beginnen

zu können, wäre da nicht jenes hochmotorisiertes Schlauchboot, das in

der Dämmerung wie „Somalische Piraten“ längsseits anlegt und zwei

Kroaten in Zivil (ohne Ausweis) in gebrochenem Deutsch erklärten man

müsse 250, Kuna (etwa 35 Euro) Eintritt in den Nationalpark zahlen.

Auf die Frage, welche Leistung dafür geboten werde, wird erklärt, dass

der Nationalpark gepflegt werden müsse. Der Skipper weist auf den 50

Meter entfernten Strand auf dem sich Tausende leere Plastikflaschen und

anderer Müll befinden. Egal es muss bezahlt werden, sonst werde die

Polizei gerufen.

Bisher musste man in Kroatien mit einem Schiff nur dann zahlen, wenn in

einem Hafen Wasser gebunkert wurde oder Landstrom zur Verfügung stand.

So wie das auch wenige Tage später in der Marina Korcula der Fall war.

Aber dort zahlte man neuerdings schon 90 Euro für eine Übernachtung

(Strom wurde separat verrechnet).

Nicht weit entfernt von Korcula liegt die wunderschöne Insel Mljet mit

ihrem integrierten See. Aus Angst vor dem Hotel an der Muring wieder

Unsummen zahlen zu müssen, legt man sich in eine etwa ein Kilometer

entfernte Bucht und beginnt den Abend zu genießen.

Wenn man wegen der

einbrechenden Dunkelheit nicht mehr auslaufen kann, kommt wieder ein

Schlauchboot angefahren und erklärt, man befinde sich in einem

Nationalpark und müsse 90 Kuna pro Person zahlen. Wir sind zu viert

also etwa 50,-- Euro. Diesmal wird aber von einer jungen Dame mit

Ausweis charmanter erklärt, warum dieses Geld benötigt wird. Also wird

auch hier die Crew-Kasse geplündert.

Die Insel Lastovo lässt man jetzt aus, da es sich herausstellt, dass

auch diese jetzt ein „Nationalpark“ ist. Man verbringt die nächsten

Nächte in versteckten Buchten und hofft, dass man von „kroatischen

Piraten“ nicht gefunden wird.

Einmal wird noch in einem kleinen Fischerdorf Maslinica angelegt um

Freunde zu besuchen. Dort hat man bis vergangenes Jahr frei an der

Hotelmole liegen können. Jetzt

muss man auch dort schon 70 Euro pro Nacht zahlen. Fairerweise muss

aber erwähnt werden, dass es nun auch Strom und Wasser an der

Anlegestelle gibt. Die kleinen Restaurants im Ort haben Preise wie in

Österreich.

Nach dem absolvierten Segeltörn erwartet einen der letzte Schreck.

Der

Heimathafen des Schiffes die Marina Betina verrechnet für den

ungesicherten Parkplatz (ohne Bewachung und Versicherung) eine Gebühr

von 130 Euro für 3 Wochen pro Fahrzeug.

Irgendwie ist man aber nach dem Urlaub doch auch froh nicht insolvent

zu sein. Man hat das Abenteuer in Kroatien zwar überstanden, muss aber

gleich danach mit dem Sparen beginnen, um vielleicht in ein oder zwei

Jahren wieder Segeln gehen zu können.

Viele Hobbysegler verbringen den Urlaub bereits in der Türkei, da dort

die Nebenkosten noch fair sind. Eigentlich schade, denn man hat durch

die guten Autobahnverbindungen das Meer ja beinahe schon vor der

Haustüre.

 

Mag. Elgar Zöhrer



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