Slowenien:" Eine Handvoll Schöheit übrig"

piran_2.jpgHoch über den Dächern von Piran, aber dennoch nur einen Steinwurf vom

Strand entfernt, liegt das Feriendomizil von Tanja Prusnik. Die Malerin

und Architektin empfängt Gäste am liebsten auf ihrer Altana, das ist

jene Art von aufs Dach gesetzter Terrasse, die nur in ehemals

venezianischen Städten zu finden ist. Von hier aus hat man einen

wunderbaren Blick auf die grünen Hügel im karstigen Hinterland und die

glitzernde Meeresbucht. „Leider bin ich viel zu selten hier“, seufzt

Tanja und schenkt noch ein bisschen Weißwein nach – einen Rebula, eine

der weniger bekannten autochthonen Sorten. Unten lockt schon der

Tartini-Platz, das Herzstück von Piran.

Der ovale Tartinijev trg – so der slowenische Name – wurde heuer aufwendig renoviert und ist endlich autofrei. So kommen die prächtigen Bauten, vor allem das rote Haus mit den venezianischen Postkartenmotiv-Fenstern („Benecanka“), voll zur Geltung. Die Erwachsenen sitzen entspannt bei einem Kapucin, einem Capuccino, und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie diskutieren über die Vor- und Nachteile eines – nach dem Vorbild Venedigs geplanten – zur Gänze autofreien Piran. Das Bedürfnis nach Ruhe und das Umweltbewusstsein reiben sich an der Frage, wie man sonst eine so verwinkelte kleine Stadt versorgen soll.

 

Vision oder Fata Morgana

Der Leuchtturm ist das nächste logische Ziel bei einem kurzen Spaziergang durch Piran. Man marschiert über die Uferpromenade, aber läuft dabei Gefahr, hängen zu bleiben, denn dort servieren zahlreiche Terrassencafés und Restaurants besten Meeresblick. Von der äußersten, weit ins Meer hinausragenden Spitze aus soll man – das behauptet der slowenische Dichter Drago Jancar – bei Sonnenuntergang „in dem schmalen Spalt zwischen Wasser und Wolken Schatten wahrnehmen können, die hin und her und ins Innere des Landes huschen, in seine Alpentäler und hinunter bis in die Ebenen Pannoniens. Das sind die melancholischen Teufel.“ Schatten, Teufel, Melancholie – vielleicht handelt es sich ja nur um eine poetische Täuschung. Tanja schlägt vor, dieses Phänomen bei Tageslicht noch einmal zu überprüfen.

Am nächsten Morgen denkt keiner mehr an die traurigen Schatten. Wir warten auf die Fischerboote, die nun bpiran_3.jpgald von ihrem Fang zurückkommen sollten.  Als Erstes läuft ein behäbiges, breites Boot mit dem Namen Furija ein. Vorne am Bug thront ein hellbrauner pitbullähnlicher Hund, der sich aber als äußerst zutraulich erweist. Sein Herrl, ein vierschrötiger Mittdreißiger, hievt seinen Fang ans Ufer, darunter eine Lastoyka. Der rote Schwalbenfisch hat wunderschöne blaue Seitenflossen, die er im Wasser wie Flügel ausbreitet. Begeistert zückt Tanja ihr Portemonnaie. Der eigentlich geplante kulinarische Trip ins Hinterland wird kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben, stattdessen steht nun ein Einkaufsbummel auf dem Programm: die Beilagen zum Fisch besorgen. Gut, dass der Gemüsemarkt gleich am Rande des Tartini Platzes liegt.

 

Der Fisch muss schwimmen

Mariza, eine kleine, weißhaarige Marktfrau, winkt schon von Weitem. Sie hat wilden Spargel im Angebot, Rucola, Radieschen und Mini-Zucchini, wie überhaupt sehr vieles auf dem Markt en miniature zu haben ist. Das spricht für eine feine Auswahl und frisches junges Gemüse. Beim Nachbarstand kaufen wir noch Käse, Kräuter und Blumen.

Bleibt noch etwas Zeit für ein Bad in den maifrischen Wellen. Beim Leuchtturm findet sich ein windgeschütztes Plätzchen, wo man sich nach dem Sprung ins kalte Wasser zum Trocknen auf die von der Sonne angewärmten Steine legen kann. Im Sommer braucht es dazu schon etwas mehr Mut, denn da wimmelt es hier nur so von Leuten.

Die Wellen schlagen gleichförmig ans Ufer, ab und zu schreit eine Möwe. Plötzlich huschen Schatten übers Meer. Na bitte, da sind sie ja, Drago Jancars poetische, melancholische Teufel vom Vorabend. Und sie schauen aus wie von Goya gemalt, nur freundlicher, sie tanzen ... Der Ruf zum Essen reißt aus dem Traum.

Diesmal trinken wir Malvazija, den fruchtigen Weißwein, und zum Schluss noch Ruda, einen grünen Kräuterschnaps, damit der rote Schwalbenfisch auch wirklich gut schwimmen kann.

Der Lokalaugenschein führt uns schließlich weiter in das Hinterland von Piran, zur großen Saline bei Secovlje, deren Salz und Salinenschlamm noch für Heilzwecke im nahen Kurort Portoroz genutzt werden, die unter Naturschutz steht und über 250 Vogelarten ein Rückzugsgebiet bietet. Noch kurz einen Rundgang durch das Museum machenportoroz-hotel_palace.jpg und etwas über die Salzherstellung erfahren, dann das kulinarische Tagesziel anpeilen: die für ihren besonderen Knoblauch bekannte kleine Ortschaft Nova Vas, die in den Hügeln über der Saline liegt.

Im Zentrum dieser 300-Seelen-Gemeinde befindet sich die gleichnamige Osteria der Familie Medos, die Gäste nur nach Voranmeldung empfängt. Moreno Medos kocht selbst und das ausgezeichnet: unvergleichliches Reh-Carpaccio oder Gnocchi mit einer Sauce aus wildem Radicchio, Blaukäse und Pignoli. Serviert wird das Essen auf der weinlaubenüberdachten Terrasse mit Meeresblick von Medos Gattin Oriella, einer schlanken Schwarzhaarigen mit ehrfurchtgebietender, tiefer Stimme. Der Refosk, ein aromatischer, rubinroter Wein aus dem Karst, würde uns schmecken, aber wir müssen weiter. Portoroz wartet schon auf uns.

Schon immer hatte dieser Ort etwas Mondänes, schon vor hundert Jahren kamen zahlreiche Sommerfrischler hierher, um sich eine Kur zu gönnen. 1911 wurde mit dem Palace eines der prächtigsten Hotels an der Adria gebaut, mittlerweile ist es auf zeitgemäßes Fünf-Stern-Niveau gebracht. Sichtbar wird heute in Portoroz in moderne Thalasso- und Wellness-Hotels und -Anlagen investiert, im Umfeld des Spielcasinos wird ziemlich viel gebaut.

 

Von mondän zu modern

Der Ort liegt verborgen in einer Bucht, das macht ihn ideal für Segler. Im Yachthafen existieren mehr als 1200 Liegeplätze, und so kommt es, dass man auch viele Österreicher trifft, die portoroz_26.jpghier ein Boot liegen haben. Wer in Portoroz lieber baden will, legt sich auf den rund einen Kilometer langen Sandstrand, eine Besonderheit an einer Küste, die von felsigem Gelände und Kiesbuchten geprägt ist. Und danach? Die elegante Riviera-Promenade säumen Restaurants, Cafés, Bars und Diskos, das schürt die Lust am Flanieren.

Leicht kommt man mit den Leuten ins Gespräch, ein alter Fischer beißt an. Er erklärt uns, warum Slowenien so hübsch ist. „Als Gott die Welt erschuf, blieb ihm nach dem vollbrachten Schöpfungsakt noch eine Handvoll Schönheit übrig. Die streute er über Slowenien.“ Der Alte lacht. Aber er hat recht.

 

 

Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von "die Presse", Wien übernommen. Photos: AdriaNews, Slowenische Touristenzentrale;



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