Törn: Skippern durch die Lagune von Lignano

lagune_3Links geht es nach Venedig, rechts nach Triest und geradeaus nach Marano Lagunare. Die Wegweiser, die an massiven Pfählen befestigt sind, stehen im Wasser. Derlei Orientierungshilfe ist für die Bootsfahrer dringend nötig, denn in der weitläufigen Lagunenlandschaft kann man sich leicht verfahren. Vor allem kann man leicht auf Grund laufen, wenn man das Fahrwasser verlässt. Nur die Fischer, die alle Untiefen kennen, wagen sich mit ihren Booten auch in die flacheren Regionen hinaus.

„Die Kanäle haben noch die Österreicher ausgebaggert, seitdem ist hier nicht mehr viel passiert“, sagt Bootsführer Marcello. Er steuert das Schiff von dem vorgelagerten Seebad Lignano aus zum alten Fischerort Marano und weiter den Fluss Stella hinauf zu dem Ausflugslokal „Al Fiume Stella“. Während das Wasser in der Lagune trüb ist, wird es immer klarer, je weiter man den Fluss hinauffährt.

Ursprüngliche Lagunen-Landschaft

Die Lagune von Venedig ist weltbekannt. Die meisten Besucher der Stadt unternehmen auch die obligatorische Bootsfahrt nach Murano, Burano und Torcello oder zumindest lagune1hinüber zum Lido. Die weiter östlich zwischen Lignano und Triest gelegene Wasserlandschaft, die zur Provinz Friaul Julisch Venetien gehört, ist weit weniger frequentiert und hat zum Teil noch eine ursprüngliche Atmosphäre. An einigen Stellen wurden Naturreservate eingerichtet, zum Beispiel an der Mündung der Flüsse Stella und Isonzo.

Bei der Fahrt durch die Lagune kommt man an kleinen und kleinsten Inseln vorbei, auf denen schilfgedeckte Hütten stehen. „Früher haben in diesen Casoni die Fischer übernachtet, heute sind es nur noch Wochenendhäuser der Familien“, erzählt Reiseführerin Elisa Sabot.

Am Nachmittag erreicht das Boot den Hafen von Grado. Die auf einer Insel in der Lagune liegende Stadt wurde schon im zweiten Jahrhundert vor Christus als Seehafen von Aquileia gegründet. Die Basilika St. Eufemia war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts der Sitz des Patriarchen, dann fiel die kirchliche und weltliche Macht an Venedig. Ein weiteres markantes kirchliches Bauwerk ist die achteckige Taufkapelle aus dem sechsten Jahrhundert, die neben der Basilika steht. Einige monumentale Villen und Hotels erinnern an die Zeit der habsburgischen Herrschaft, als österreichische Adlige und Hofschranzen sich in der Mittelmeeridylle entspannten. Seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist das mit breiten Sandstränden gesegnete Grado ein Massenreiseziel geworden. In der Nebensaison hat die Inselstadt jedoch ihren alten Zauber bewahrt.

Aquilea-die verlassene Metropole

Die Lage am Meer hat schon die Künstler der Antike inspiriert, die die prächtigen Mosaiken in der Basilika von Aquileia schufen. Der Anfang des vierten Jahrhundert geschaffene Mosaikboden ist hervorragend erhalten. Da sieht man Fischer, die ihre Netze auswerfen, Jonas, der vom Wal verschlungen wird, Heilige, die in schwankenden Booten unbeirrt aquileaihren Kurs halten, und Fische aller Art. Aquileia, eine der bedeutendsten Städte des römischen Reiches, hat heute nur noch 3500 Einwohner. Mehrere Ausgrabungsstätten, das Archäologische Museum und die Relikte des römischen Forums künden von vergangener Pracht.

Wer von Grado aus über den Damm, der die Insel mit dem Festland verbindet, nach Aquileia fährt, kommt am Weingut Cantina Cà'Tullio vorbei, in dem die typischen Weine der Region verkostet werden können, darunter der Verduzzo Friulano. Früher wurde dieser leichte und trockene Weißwein als Tocai bezeichnet, inzwischen ist die Bezeichnung Tokajer durch die Europäische Union geschützt und darf nur für Weine aus der Tokajer-Region in Nordungarn und dem Süden der Slowakei verwendet werden. Die Winzer aus dem Friaul vermarkten ihre Erzeugnisse nun mit einigem Erfolg als Friulano.

Triest - Schmelztiegel der Völker

Nach einer Übernachtung in Grado geht es weiter Richtung Triest. ( Artikel Triest hier) Hauptattraktion unterwegs ist das auf einem Felsmassiv am Meer liegende Schloss Miramare, das sich Erzherzog Ferdinand Maximilian, jüngerer Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph, von 1856 bis 1860 bauen ließ. Ein Rundgang führt in die maritime Traumwelt des Habsburgers, der als Oberbefehlshaber der österreichischen Kriegsmarine viele Seereisen unternahm.

Eines der Zimmer ließ er im Stil einer Schiffskabine einrichten, um selbst bei Festlandsaufenthalten noch die Illusion zu haben, sich auf großer Fahrt zu befinden. Maximilians Wunderschloss erinnert an die Bauten des bayerischen Herrschers Ludwig II., allerdings hielt es den Österreicher nicht in der Heimat. 1864 stach er mit einer kaiserlichen Fregatte in See, um sich im fernen Mexiko als Kaiser zu versuchen, offenbar angetrieben von seiner geltungssüchtigen Gemahlin Charlotte, die auf einem Gemälde in hochherrschaftlicher Pose zu sehen ist. Die Mexikaner waren von dem neuen Kaiser wenig begeistert. Sein Regime endete schon 1867 tragisch, als er von Revolutionären erschossen wurde. Auch Charlotte kam nicht in das Schloss am Meer zurück, sondern verbrachte den Rest ihres Lebens in einer Nervenheilanstalt. Die Tatsache, dass viele prominente Miramare-Gäste – darunter auch Maximilians Schwägerin Sissi – auf tragische Weise im Ausland ums Leben kamen, sorgte für die Legende, dass ein Fluch auf dem Gebäude laste. Ein abergläubischer britischer Offizier, der hier nach dem Zweiten Weltkrieg einquartiert werden sollte, hat deshalb lieber im Garten campiert.

Am Ende der Reise durch die Lagune steht die von vielen Dichtern als Stein gewordene Melancholie gefeierte Stadt Triest. Aber um sich in diese Stimmung zu versenken, muss man wohl länger hier leben. Der Tourist belässt es bei einem Bummel durch die von Palästen gesäumten Straßen hinauf zur Kathedrale. In der Fußgängerzone herrscht die gleiche Betriebsamkeit wie in anderen italienischen Großstädten, die alten Lagerhallen am Hafen werden heute für schicke Events genutzt.

 

Friaul: Maritime Genüsse aller Art

Die autonome Region Friaul Julisch Venetien befindet sich im Nordosten Italiens. Die Provinzhauptstadt ist Triest. Zwischen Lignano im Westen und Muggia an der Grenze zu Slowenien erstrecken sich 130 Kilometer Küste mit 23 Marinas, in denen man Boote ausleihen kann. In Lignano und Grado werden auch organisierte Bootsausflüge durch die Lagunenlandschaft angeboten.

Weitere Auskünfte erteilt die Agenzia Turismo Friuli Venezia Giulia, Piazza Manin, 10, I-33033 Codroipo, Telefon 0039 0432 734100, Internet www.turismofvg.it. Hier gibt es auch die Broschüre „In Barca“ (Auf dem Schiff), die eine Reihe von Entdeckungstouren beschreibt. Weitere Hinweise für Bootsfahrer finden sich auf der Seite www.terradimare.fvg.it (auch in deutscher Sprache).

Wer einfach nur Badeurlaub machen will, findet in Lignano und Grado breite Sandstrände und viel Unterhaltung. Und natürlich werden in den Restaurants maritime Spezialitäten aller Art serviert.



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