Toern-Praxis Teil 4: Einhand nach Korcula

4.0_korcula_v._wasser_aus.jpgEigentlich hatten wir unsere kleine Segelyacht für uns zwei gekauft. Die ersten Jahre war das auch perfekt, aber jetzt, wo ich mehr Zeit habe zum Segeln lässt das Interesse meiner Frau dafür nach. Da habe ich im letzten Jahr beschlossen, von Split aus einhand gen Süden zu segeln. Einhand klingt wie Atlantik- überquerung, aber es ist nichts dabei, ich kann schon an dieser Stelle sagen, es geht weit besser als man denkt und es macht viel Spaß. Dazu kommt, dass man in der Kroatischen Adria meist immer Land in Sicht hat und jeden Abend einen sicheren Anker- oder Liegeplatz aufsuchen kann. Geplant, getan, meine Jeanneau-Segelyacht ist top in Schuss, ich verliere keine Zeit mit Vorbereitungen, zwei volle Wochen liegen vor mir. Einen preiswerten Flug nach Split hatte ich schon vor Wochen -rechtzeitig- gebucht.

Nach Süden!! Zuerst zur Splitska Vrata zwischen den Inseln SOLTA und BRAC. Sollte das Wetter umschlagen, kann ich nach Milna oder Bobovisca. Aber im Gegenteil, ein herrlicher NE bringt mich zügig bis dicht an die PAKLENI-Inseln.Schon bei diesem ersten Schlag habe ich wieder zwei Grundvoraus-setzungen fürs private Einhand-Unternehmen schätzen gelernt, den Autopilot, der das Schiff steuert und mir fast alle Freiheit dieser Welt beschert und das dicke rote Ende, meine Sicherheitsleine, an beiden Seiten des Decks fest verspannt, in die ich mein Lifebelt einklinken konnte, wenn ich das Cockpit verlasse. Eine Schwimmweste trage ich nicht, denn ich werde bei meiner Sicherheitsleine gar nicht erst über Bord gehen, sollte ich einmal straucheln. Das ist ein wunderbares Gefühl, so einfach aufs Vorschiff zu spazieren, über mir die prallen Segel, sie stehen perfekt. Ich setze mich in die Sonne aufs Deck lausche den Wellen und dem Wind, yes, that's sailing! Nach w4.1_einhand.jpgeiteren zwei Stunden starte ich den Motor und nehme vor der Einfahrt in die Marina Palmizana die Segel weg und hänge die Fender an die Reling. (Übrigens haben sich beim Alleinsegeln für mich die Rollsegel-Anlage für Groß und Genua sehr bewährt.) Nun tuckere ich gemächlich auf die Stege zu, ich werde eingewiesen und erhalte Hilfe bei der Übernahme der Leinen. Nun die Mooringleine an der Klampe des Vorschiffs belegen, alles noch einmal korrigieren und ich - besser wir - sind fest. Ich genieße ein kühles Bier in einem bequemen Korbsessel am Ende des Steges, wo man am Weg zu den externen Gaststätten eine nette kleine Bierbar eröffnet hat. Das nächste Ziel ist Komiza auf VIS,ein schöner kleiner Hafenort. Hier buche ich für den nächsten Tag eine Fahrt zur Nachbarinsel BISEVO, es geht zur "Blauen Grotte", die wirklich viel Ähnlichkeit mit der auf Capri hat. Für den Nachmittag bringt uns das Motorboot zu einer anderen Bucht der Insel mit weißem Sandstrand, ein Vergnügen, hier ins Wasser zu gehen.Heute muss ich früh raus, es sind 26 sm bis zum westlichen Ende von KORCULA. Zuerst musste ich motoren, dann kam der Wind auf und ich machte gute Fahrt. Ziel war eine der Buchten am Ende der Insel, ich habe mich für die Triluke-Bucht hinter dem Feuer Rt.Velo dance entschieden. Im mittleren Arm ließ ich meinen Anker fallen und lag nun zwischen mehreren Booten der Einheimischen, die alle nicht besetzt waren, also schöne Ruhe. Nach einem Sprung ins kühle Nass genieße ich meinen Kaffee im Cockpit und dann "Anker auf" nach LASTOVO. Ich hatte einiges gelesen von der Insel, die 50 Jahre lang, bis 1989, aus strategischen Gründen für Ausländer gesperrt war und steuere die Zaklopatika-Bucht an, die nach dem Revierführer eine neue lange Pier erhalten hat. Ich fahre diesen Anleger an, aber kein Marinero zu sehen. Also, nochmals abdrehen, die Fender an Bb konzentriert, davon zwei weit vorn am Bug, so konnte ich mich langsam dem Ufer nähern und mit der Vorleine übersteigen, um das Schiff selbst an einem Poller oder einer Klampe zu befestigen. Aber im letzten Moment stürzen zwei größere Kinder aus einem der Häuser und übernehmen meine Festmacherleine. Eigentlich hätte ich gleich am Gasthaus Triton anlegen können, das einen kleinen Steg für seine Gäste hat. LASTOVO war nur ein Zwischenstopp, eines meiner Hauptziele ist Korcula. Ich entscheide mich für die dörfliche Marina Lumbarda anstelle der Marina Korcula selbst, die doch eher überlaufen und mir zu laut ist. Heute half mir meine große Genua nichts, ich musste die größte Strecke motoren, der Wind war gegen mich. Da ich den immerwährenden Motorlärm nicht so gern höre, habe ich mich mit einem Buch aufs Vorschiff gesetzt und lasse den "Rudi", das ist mein Autopilot, seine Arbeit tun.

Nach Umrundung des Rt.Roznjic wird bald die Marina Lumbarda sichtbar, wo ich wieder professionelle Hilfe beim Anlegen erhielt, dafür wandert eine Dose Bier hinüber auf den Steg zu meinem freundlichen Helfer. Lumbarda gefällt mir gut, hat saubere Sanitärräume, eine kleine Cafébar am Strand gleich neben den Anlegestegen und direkte Busverbindung zur Stadt Korcula, die ich morgen nutzen will. Der Bus fährt durch zwei schon recht städtisch anmutende Dörfer und hält nach 30 Minuten direkt vor der Marina Korcula. Gut, dass ich in Lumbarda liege, denn hier ist doch wesentlich mehr Trubel, man liegt ja mitten in der Stadt. Aber die4.2_scedro-bucht.jpg ist historisch hochinteressant. Korcula ist Marco Polos Stadt, dessen Geburtshaus man auch besuchen kann. Mit angemessener Würde betrete ich die Stadt über eine neobarocke Steintreppe, die zu einem kompakten Turm aus rohem Felsengestein führt. Nach Durchschreiten des Stadttores öffnet sich eine authentisch erhaltene Straße mit prächtigen Palästen zu beiden Seiten, dann die Kathedrale des Heiligen Markus und der schöne Bischofssitz. So eine gut erhaltene Harmonie mittelalterlicher Bauten findet man ganz selten und sie ist enorm beeindruckend. Nach einem Bummel über das alte Kopfsteinpflaster gelange ich durch krumme Seitengassen (krumm, um die Häuser besser vor Sonne und Wind zu schützen) auf die äußere Promenade oben auf der Stadtmauer. Von dort habe ich einen weiten Blick nach Osten zum Peljesac, der langen Halbinsel, die sich KORCULA entgegenstreckt. Am frühen Abend hatte ich das Glück, die Moreska-Ritterfestspiele zu besuchen, ein musikalisch getragener Kampf von Rittern in ihren schweren Rüstungen mit Säbelrasseln und schnellen Kampfszenen. Ziemlich spät kam ich deshalb mit dem Bus zurück nach Lumbarda. Nun geht's wieder in Richtung Heimathafen, heute zunächst zur Insel SCEDRO. Es sind ca 22 sm bis zur Lovisce-Bucht, wo es einige Festmacherbojen geben soll. Ich bin froh, denn eine ist noch frei. Ankern würde ich heute ungern, denn der Wind pfeift schon gewaltig und der Wetterbericht ist für die Nacht auch nicht so positiv. Bei starken Winden und allein an Bord "normal" an die Boje zu gehen ist ein Unterfangen, dass mir nur selten gelingt, deshalb wende ich einen Trick an. Ich fahre rückwärts an die Boje heran, genau gegen den Wind. Da das Schiff dem Wind nun seine breites Heck entgegenhält, bricht es nicht aus und lässt sich so langsam an die Boje heranmanöverieren, außerdem kann ich nun von der Badeplattform aus die Belegleine durch den Bojenring ziehen und schon ist die wesentliche Arbeit getan.Und wie gut, dass ich an der Boje hänge, denn die Nacht und der nächste Tag werden von starker Bora geprägt sein.Am dritten Tag dann wage ich mich hinaus, eigentlich noch etwas zu früh, wie ich bald feststellen muss. So taste ich mich - dicht an der Insel HVAR entlang - zur Marina Palmizana auf den PAKLENI- Inseln. Nach 14 sm hatte ich dann meine warme Dusche verdient.Mein Rückweg nach Split war von hier aus klar vorgezeichnet, deshalb schob ich noch einen Landtag ein. Der Wind hatte zwar nachgelassen, das Meer dagegen war nach wie vor aufgewühlt. Ich unternehme eine lange Wanderung über die schön bewaldete Hauptinsel SV.KLEMENT mit immer neuen Ausblicken auf verschiedene Buchten, wo sich ebenfalls Segler versteckt hatten. Zum Abendessen hatte ich mir 4.3_pakleni-bucht.jpgeinen Tisch in der Konoba Zori reserviert mit Blick auf die Ankerbucht am Südrand der Insel. Über mir hohe alte Dattelpalmen, vor mir ein guter Roter und in Erwartung eines guten Fischgerichtes - Brodetto - das ich gestern bestellt hatte, war die Welt für mich in Ordnung. Nach Milna auf BRAC waren es nur 13 sm, also, leicht zu schaffen. Von hier aus nehme ich den Bus über kurvenreiche Straßen mit schönen Ausblicken nach Bol, um das "Goldene Horn" zu besuchen. Es ist ein "Sand"-Strand - bestehend aus feinen Steinen - der sich aus einem kleinen Pinienwaldstück bogenförmig ins Meer hinausschwingt und durch die Strömung seine Form täglich leicht ändert. Der Bus bringt mich auch wieder zurück. Diesmalist er voll besetzt und die Einheimischen reden in voller Lautstärke über mich hinweg, so, als ob es mich gar nicht gäbe. Das letzte Stück nach Split war bei wieder glatter See und westlichen Winden ein Kinderspiel, das ich in vier Stunden meisterte.Stolz auf meinen Einhand-Törn klarierte ich meine Jeanneau auf. Aber ich muss ehrlich sagen, es war niemals ein Problem, allein an Bord zu sein. Unabdingbar jedoch sind für mich der Autopilot und die Rundumleine mit dem Lifebelt zum Einklicken und die Rollreffanlage für Groß und Genua haben sicher zum Komfort des Törns beigetragen.

Zum Autor: wolfgang_albrecht_1.jpg

Dr. Wolfgang Albrecht bereist seit Jahrzehnten die Kroatische Adria und gilt als einer der Spezialisten in diesem Bereich. Sein Revierführer Kroatische Adria liegt bereits in der 3-Auflage vor. Mehr zu Dr. Wolfgang Albrecht erfahren Sie auf seiner Webseite:www.kroatische-adria.info



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