Toern-Praxis Teil 2: Von Istrien nach SUSAK und RAB

rab-44.jpgSusak hatte mir im Juni so gut gefallen, deswegen ergriff ich die Gelegenheit, nochmal eine Woche im KVARNER zu segeln. Startpunkt war diesmal Punat auf der Insel KRK, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Freunde haben dort in der großen Marina ihre Segelyacht liegen. Der erste Schlag geht nach Süden, am Rt Kalifront von RAB vorbei zur Stadt Rab. Kurz vor der Einfahrt in die Hafenbucht grüßen uns von der Höhe vier Glockentürme. Der romanische Campanile imponiert durch seine strenge Bauweise, die anderen drei sind der Renaissance zuzuordnen. Meine Video-Kamera hält die Vorbeifahrt an diesem kulturellen Leckerbissen im Bild fest. Jetzt heißt es fertig machen zum Anlegen in der ACI-Marina. Wir sind heute nur 20 sm Strecke gesegelt, noch Zeit genug, der schönen alten Stadt Rab einen Besuch abzustatten. Mit einem Ruderboot lassen wir uns von der Marina über die kleine Bucht übersetzen.

Auf diese Weise sind wir ganz bequem gleich drüben in der Altstadt am "Zweiten Hauptplatz" mit hohen Palmen vor dem ehemaligen Fürstenpalast. Hier genießen wir erst einmal einen Cappuccino und beraten den weiteren Tagesablauf. Gut, dass ich den Revierführer in meine Umhängetasche gepackt habe. Wir folgen der Empfehlung für Rab und gehen - vorbei am Cernota-Palast - zum Stadtturm und durch den Torbogen die Gasse aufwärts. Beeindruckend die Loggia mit acht Marmorsäulen, sie war mehrere Jahrhunderte lang das Zentrum des öffentlichen Lebens und heute wieder ein Standplatz von Malern und einem kleinen Café. Leicht ansteigend führt uns die schattige Gasse zur oberen Straße, der Gornja. Oben angekommen sehen wir linker Hand nun schon ganz nahe die Basilika Sv. Marija Velika aus dem 12. Jahrhundert. Die wollen wir auf jeden Fall auch innen sehen. Wir sind stark beeindruckt von dem aus Eichenholz geschnitzten Chorgestühl, das 500 Jahre auf dem Buckel hat und immer noch in Funktion ist. Auf der Kirchenterrasse genießen wir die letzten Sonnenstrahlen, dann wandern wir durch eine der Gassen wieder abwärts, der Hunger verlangt seinen Tribut. Wir 2.2_pizzeria.jpgentscheiden uns für die Pizzeria im Garten des Cernota-Palastes am Wege. Durch eine gotische Pforte betreten wir den kleinen schattigen Hof mit einer uralten Palme neben der eigentlichen Pizza-Bäckerei, in die man hineinblicken kann.Das Feuer flackert im offenen Holzofen und man sieht den Pizzabäcker drin hantieren. Die Pizzen, die nach 15 Minuten serviert werden, sind tellerüber-lappend, dünn und gut belegt, wir sind sehr zufrieden.

Unser nächstes Ziel ist die kleine Insel SILBA, 23 sm fast genau südlich. Wir legen an einer Steinmole im Sportboothafen Silba Ost an, dann wandern wir eigentlich ohne Ziel in den Ort hinein und bemerken schnell, dass die Insel autofrei ist. Schmale Gassen zwischen grünen Gärten führen bis zur Westseite der kleinen Insel, die bis 1852 im Besitz von Venedig war. Der Westhafen ist unruhig, hier legt die Fähre an. Für den Abend haben wir eine Empfehlung, "Skippertreff Nautic" auf dem Weg zwischen den beiden Häfen. Wir telefonieren, um uns den Weg beschreiben zu lassen (Tel.023-370 073), war gar nicht nötig, wir stehen fast davor. In einem kleinen Garten sehen wir sauber gedeckte Tische und die Speisekarte enthält viele einheimische Gerichte, die wir probieren wollen. Ich bestelle Tintenfisch vom Grill, köstlich, dazu Reis und Tomatensalat, meine Törnfreunde hielten sich an Bekanntes: Schnitzel mit Pommes, auch sie waren zufrieden. Der gute offene Wein, den wir mehrmals nachbestellt haben, hat uns allen gleich gut geschmeckt. Bei etwas dunstigem Wetter verlassen wir am nächsten Tag Silba, segeln zwischen SKARDA und IST hindurch, lassen MOLAT an Bb liegen und steuern die nördlichste Bucht der langen Insel DUGI OTOK an.

Dort gibt es viele Bojen, die weit auseinander angebracht sind, sodass man sich auf keinen Fall 7.2_dorfanleger_d.otok.jpggegenseitig stört. Ideal zum Baden. Aber noch sind wir nicht da. Wir fahren gerade in den Soliscica-Kanal ein und sehen auch bald das in der Karte verzeichnete Seezeichen, das wir an Steurbord lassen müssen, weil es dahinter sehr flach wird. Danach fahren wir in die weite Zaliv-Pantera-Bucht ein und gehen an eine der Festmachebojen. Dort werden wir praktisch vom ältesten Leuchtturm von Kroatien "bewacht", der 41 m hoch auf der schmalen Landzunge der Insel steht. Nach einem kurzen Schwimm-Ausflug in die Nähe des Ufers entschieden wir: Wir bleiben an Bord und die Küche bleibt kalt. Ein herrlich langer Schlag mit raumem Wind und über ziemlich offenen Seeraum nach SUSAK.

Alle die gestern durchfahrenen Wasserstraßen zwischen den Inseln bleiben steuerbords liegen. Heute haben wir 30 sm geschafft. Die letzten 12 sm allerdings mussten wir motoren, ab ca 13 Uhr herrschte absolute Flaute. Obwohl es bei der Anfahrt auf den kleinen Hafen Susak nicht so aussah, haben wir zwischen zwei Booten mit Kroaten, die hier ihren Urlaub verbringen, noch Platz gefunden. Um uns wenigstens die Beine zu vertreten, wollten wir zu Fuß zu einer Konoba oben im alten Ort. Etwas versteckt fanden wir in einer verwinkelten Gasse das gesuchte Gasthaus. Viel Hunger hatten wir nicht, wir bestellten deshalb nur einen großen Teller mit Schinken und Käse, dazu Roten von der Insel. Dann wollten wir so schnell wie möglich in die Kojen. Aber daraus wurde nichts, denn bei der Rückkehr begrüßten uns die Nachbarn mit einem Slibowitz, natürlich selbstgebrannt. Einen und noch einen. Einen auf die Liebe und einen darauf, dass wir alle Europäer sind. Nachdem wir hier einer Meinung waren, konnten wir uns verabschieden. Ich sagte auf russisch "Druschba", was sie erstaunte oder erfreute, ich weiß es nicht. Da wir heute nur nach Mali Losinj segeln wollen, bleibt uns susak-46.jpgnoch Zeit, um einen weiteren Spaziergang hinauf auf die Insel zu unternehmen. Steil führen die Stufen hinauf. Die engen stillen Gassen ohne Verkehr mit den kleinen alten Häusern scheinbar ohne Leben muten mittelalterlich an. Bald aber tritt ein alter Mann aus dem Haus und begrüßt uns. Er zeigt auf etwas, was sich hinter der schmalen Tür verbirgt. Wir treten näher und können nun nicht umhin, ein Glas Roten von der Insel zu probieren. Aber es war noch zu früh, um Wein zu kaufen. 12 Uhr legen wir ab.

Die Strecke hinüber nach Mali Losinj ist heute bei Winden aus westlichen Richtungen ein Kinderspiel, wir segeln bis hinein in die große Bucht von M.Losinj. Es ist noch früh am Tag, wir halten direkt auf den Anleger am inneren Ende der Bucht zu, zwei Hafenmatrosen helfen beim Festmachen. Für den Nachmittag haben wir uns einen Fußweg vorgenommen, mit schönen Ausblicken, immer am Ufer entlang nach Veli Losinj . In Veli Losinj sollten wir unbedingt die Kirche unten am Ufer aufsuchen, sie beherbergt ungeahnte Kunstschätze, die in früheren Zeiten von den stolzen Kapitänen des Ortes heimgebracht wurden, so sieben oder acht Altäre aus Italien. Nach einem großen Eisbecher unten am kleinen Hafen geht es zurück. In 25 Minuten haben wir Mali Losinj wieder erreicht. Schon hungrig steuern wir direkt auf die Gostionica zu, die wir auch dem schon malilos-22.jpgerwähnten Revierführer entnommen haben. Es ist der gemütliche Wirtsgarten "Corrado" in der Ulica (Straße) Sv.Marija Nr.1 (Tel: 051-232 487). Ein kleiner Innenhof, überrankt mit Weinspalier empfängt uns. Wir fühlen uns sofort zuhause. Die nette Bedienung bringt gleich ein Tablett mit frischen Fischen, aber wir stehen heute auf Fleisch. ok, ein spezielles kroatisches Gericht aus Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, Zwiebeln und Paprika, alles in einem Topf gegart (der Name ist mir entfallen) war köstlich. Um neun öffnet der Privlaka-Kanal an der schmalsten Stelle der Insel LOSINJ - zwischen Tankstelle und der Werft- also 8 hr 30 ablegen. Alles klappt gut, wir passieren den Kanal und sind auf der Ostseite der Insel. Nun halten wir auf die Südspitze von CRES zu bis wir die Leuchtturminsel TRSTENIK in Sicht haben. Die wollen wir an Stb liegen lassen und dann das Rt Kalifront ansteuern. Unser Ziel ist heute die kleine Marina Supetarska Draga im Norden der Insel RAB.

Bei nördlichen Winden haben wir lange Zeit unseren Flautenschieber nutzen müssen, haben zwischendurch doch mal wieder Segel gesetzt, einen neuen segelbaren Kurs gesucht und dabei nicht viel gewonnen. Für die 24 sm haben wir so mehr als sieben Stunden gebraucht. Halb 5 waren wir fest in der Marina und heute zum ersten Mal müde vom Wind aus der falschen Richtung, dafür gab es Sonne genug zum Bräunen. Etwas Farbe wollen wir doch alle mit nach Hause bringen. Wir hatten die Empfehlung krk_31.jpgerhalten, zum Abendessen in der Marina zu bleiben und das war gut so. Mein Filetsteak medium war erste Klasse und alles andere auch, ich kann dieses Gasthaus - natürlich unter freiem Himmel in Sicht der Schiffe, - sehr empfehlen. Es war ja auch unser letzter Abend vor dem Schlag hinauf nach Punat. Wir ließen die Tage nochmals an uns vorüberziehen und können sagen, es hat sich gelohnt, wir sind auf unsere Kosten gekommen. Nicht nur seglerisch, auch haben wir etwas von Land und Leuten kennengelernt und können jetzt besser mitreden, wenn es um Kroatien geht. Aber noch haben wir einen Schlag vor uns. Wir haben uns vorgenommen, nicht zu spät abzulegen, denn wir wollen noch, wenn die Zeit reicht, nach Krk hinüber fahren und die romanische Stadt besuchen. Gegen 16 Uhr war das Schiff übergeben, wir können aber noch die letzte Nacht an Bord schlafen. Mit unserem Audi fahren wir die kurze Strecke zur Stadt Krk, die seit dem 4. JH. Bischofssitz ist. Besonders beeindruckt haben uns die gewaltige Stadtmauer aus dem 15.JH., die vor den Türken schützen sollte und die gut erhaltenen Kirchenbauten, z.T. noch aus der Romanik.

Zum Autor: wolfgang_albrecht_1.jpg

Dr. Wolfgang Albrecht bereist seit Jahrzehnten die Kroatische Adria und gilt als einer der Spezialisten in diesem Bereich. Sein Revierführer Kroatische Adria liegt bereits in der 3-Auflage vor. Mehr zu Dr. Wolfgang Albrecht erfahren Sie auf seiner Webseite:www.kroatische-adria.info



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.