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Abschied vom Teutonengrill

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agriturismo46.jpgItalienurlauber aus aller Welt zieht es nicht mehr nur an den Strand und in Kulturstädte wie Rom und Florenz. Während Osteuropäer zunehmend den Platz der Deutschen am so genannten Teutonengrill an der Adria einnehmen, steigt die Zahl der Naturtouristen zwischen Bozen und Palermo stetig an. "Die Welt des Reisens ist eine Welt der Gefühle", meint Eugenio Magnani, Chef der italienischen Tourismusbehörde zum neuen Ansturm auf Ferien auf dem Bauernhof im Agriturismo, Abenteuerurlaub mit Rafting in reißenden Gebirgsflüssen oder Kochkurse auf der Suche nach den Eigenheiten der einzelnen Regionen.

"Ursprünglichkeit und Schlichtheit sind mittlerweile zu touristischen Produkten geworden", freut er sich angesichts der positiven Entwicklung des Naturtourismus. Im vergangenen Jahr machte der so genannte Ökotourismus mit rund acht Milliarden Euro ein Fünftel des Umsatzes der italienischen Tourismusindustrie aus. Während der gesamte Wirtschaftszweig im Durchschnitt Wachstumsraten zwischen zwei und drei Prozent verzeichnete, stieg allein der Naturtourismus im Jahr 2006 nach Angaben der Veranstalter der jährlichen "Ecotur"-Messe in Pescara an der Adria um zwölf Prozent an. Immer mehr jüngere Menschen planen ihren Urlaub demnach in einem der zahlreichen italienischen Naturschutzgebiete. Waren es bis vor wenigen Jahren noch hauptsächlich Rentner der gehobenen Einkommensklasse, so entwickelt sich diese Urlaubsform immer mehr zum Massenphänomen. Noch fürchten sich die Anwohner der geschützten Landschaften nicht vor allzu umfassenden pergola4.jpgVeränderungen durch den Bau touristischer Infrastruktur. Durch wachsendes Interesse vielfach ausländischer Touristen entdecken viele Regionen dagegen alte Traditionen neu, die im Zuge der technischen Modernisierung in Vergessenheit gerieten. Notwendige Bremsen Schon jetzt bemüht sich die Tourismusbehörde, Hoteliers und Urlaubsveranstalter für den nachhaltigen Tourismus als Entwicklungsmodell für strukturschwache Regionen zu gewinnen. Zeigt doch die Erfahrung durch ungebremstes Wachstum an Ferienangeboten etwa in toskanischen Städten wie San Gimignano, dass die damit verbundenen Veränderungen drohen, die Anziehungskraft des Ortes massiv zu beeinträchtigen. Die Tatsache, dass die Ökotourismusbörse von Pescara in diesem Jahr zum 17. Mal stattfand, zeigt, dass Naturferien in Italien eine lange Geschichte haben. Mittlerweile kann die Veranstaltung auf 200 Anbieter aus den verschiedensten Regionen Italiens zählen. Vor allem bisher nicht am Haupttouristenstrom gelegene Gegenden wie die Abruzzen mit dem weitgehend unberührten Bergmassiv des Gran Sasso, in dessen Schatten alte Frauen noch heute von Hand hauchdünne Safranfäden einzeln aus Krokusblüten entfernen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In Deutschland ist der zwei gransasso8.jpgAutostunden von Rom entfernt gelegene Dreitausender wegen der spektakulären Befreiung Mussolinis durch eine Fallschirmspringereinheit der Wehrmacht im Jahr 1943 bekannt. Heute erholen sich müde Bergsteiger in dem Hotel, in dem der abgesetzte Ex-Diktator inhaftiert war. Manche Urlauber wundern sich allenfalls über den Duce-Wein - das Etikett zeigt den Faschisten in bekannter Pose -, den Mussolini-Nostalgiker an der Hotelbar erstehen. Neben Trecking- und Mountainbike-Liebhabern entdecken aber auch immer mehr gestresste Großstädter auf der Suche nach spiritueller Freizeit im Kloster die Einsamkeit italienischer Berglandschaften. Rund um Assisi entstand in den vergangenen Jahren ein eigenes Netz aus Wanderwegen auf den Spuren des friedliebenden Heiligen, der auch den Vögeln predigte. Im ältesten Benediktinerkloster von Subiaco an der Aniene-Schlucht - 70 Kilometer östlich von Rom -, oberhalb der Ruinen einer Villa des römischen Kaisers Nero, füllen immer mehr Urlauber die Zellen, die der Nachwuchsmangel bei Priestern und Ordensleuten zunehmend leerstehen lässt. Besonders beliebt unter klostersubiaco7.jpgItalienurlaubern sind zudem Reisen in die zahlreichen bekannten oder erst allmählich bekannt werdenden rund 15 Weingegenden geworden. Beim Besuch der Güter mit ihren Kellereien genießen sie etwa in der Toskana weltberühmten Chianti beim Anblick der mit Rebstöcken bepflanzten Hügellandschaft. Das durch den Visconti-Film "Der Leopard" berühmt gewordene Weingut von Donnafugata auf Sizilien lädt seine Besucher im Hochsommer zu einer Mischung aus Wein- und Naturgenuss ein: Weinliebhaber dürfen im August bei der nächtlichen Weinlese zusehen.

 

BETTINA GABBE, ROM

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