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Italien: Ursprüngliches Kalabrien erleben
Kalabrien, diese weitgehend unentdeckte Region an der Stiefelspitze Italiens, ist von insgesamt 800 Kilometern Küste umgeben, die von steil abfallenden Felsbuchten bis zu idyllischen weißen Sandstränden alles bietet.
Weitläufige Bilderbuchstrände und abgeschiedene Buchten als Dorado für Sonnenanbeter. Während sich einige Urlaubsorte am Thyrrenischen Meer – wie Tropea oder Diamante immer größerer Bekanntheit erfreuen, sind die Orte entlang der Ionischen Küste den Touristen meist unbekannt.
Doch gerade in Dörfern wie Santa Caterina dello Ionio kann man Kalabrien noch in seiner urigsten Form erleben. Der kleine Küstenort liegt 63 Kilometer südlich der Regionalhauptstadt Catanzaro am südlichen Ausläufer des Golfo di Squillace.
Sieben Kilometer flacher Sandstrand gehören zu Santa Caterina Marina
(Hafen), während der alte Dorfkern, Santa Caterina Paese, eingebettet
zwischen Wäldern und Olivenhainen auf 455 Metern Höhe liegt.
Die Geschichte der Altstadt reicht bis in die
Zeit der
Sarazeneninvasionen um das zehnte Jahrhundert zurück. Damals zogen sich
die in kleinen Kolonien entlang der Küste lebenden Einwohner zur
Verteidigung in das hügelige Hinterland zurück und bildeten dort eine
neue Dorfgemeinde.
Zu jener Zeit verbreiteten die Sarazenen unter der Bevölkerung Angst
und Schrecken. Heute jedoch ist man ihnen beinahe zu Dank verpflichtet,
gäbe es ohne sie doch nicht jene Wachtürme, die entlang der Küste durch
Feuerzeichen oder Trommelschläge miteinander kommunizierten und so die
Bauern auf den Feldern vor der Ankunft der Feinde warnten.
Übernachten im Wachturm
Ein solcher auf das elfte Jahrhundert zurückgehender Turm steht noch heute am Strand von Santa Caterina. Feriengäste können den zum Apartment umgebauten Turm mieten und direkt vom Bett aus dem Mond zusehen, wie er als rot glühende Feuersichel langsam über dem Meer auftaucht. Was für ein Schauspiel, wenn das tagsüber türkisblau bis smaragdgrün schimmernde Meer in den frühen Abendstunden langsam eine immer dunklere Färbung annimmt und an manchen Tagen violettgraue Wolken wie dicke Wattebäusche am Horizont hängen. Sportlich veranlagte Zeitgenossen treibt es in Santa Caterina schon sehr früh aus den Federn.
Die
Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Aufenthalt
aktiv zu
gestalten. Da ist zum einen natürlich das allseits präsente Meer. In
rhythmischen Bewegungen ergießen sich kleine Wellen, das glasklare
Wasser verführt zu einem Sprung in die erfrischenden, doch nie zu
kalten Fluten. Manche entscheiden sich für einen morgendlichen
Strandlauf entlang dem weitläufigen und flachen Küstenstreifen von
Santa Caterina. Danach entfaltet die südliche Sonne langsam ihre
immense Kraft, es ist Zeit für eine erfrischende Dusche und ein
stärkendes kleines Frühstück.
Dieses besteht, wie fast immer in Italien, aus einem dampfenden
Espresso oder einem Cappuccino mit Milchkrone sowie den duftig süßen
Cornetti. Hier in Santa Caterina weiß man das für deutsche Gaumen etwas
karg anmutende Frühstück mit ein paar südlichen Zutaten zu verfeinern.
Feigen, Pilze und Ricotta
Nunzio, ein angehender
Botaniker, der in seiner freien Zeit Urlaubern die schönsten Plätze im
Hinterland von Santa Caterina zeigt, ergänzt unser Frühstück mit einem
Korb frischer Feigen, einem blütenweißen Ricottakäse aus Schafsmilch
und einer Spremuta d’arancio. Eben noch hingen die Orangen am Baum, die
er für uns zu einem gelb leuchtenden Vitamintrunk
ausgepresst hat.
Derart gestärkt kann es losgehen zu unserem Ausflug in die Serre, das
hügelige Hinterland von Santa Caterina: Heute heißt das Thema Pilze
suchen, denn die Gegend hier ist überreich mit Steinpilzen gesegnet.
Ächzend schiebt sich Nunzios Wagen die engen Serpentinenstraßen den
Berg hinauf, der Kontrast zwischen der dunklen Erde, den silbern
glitzernden Ölbäumen und dem tiefen Blau des Meeres ist faszinierend.
Schließlich befinden wir uns auf 800 Metern Höhe und können es kaum
glauben: Hier im tiefen Mezzogiorno stehen Laub- und Nadelwälder satt,
an manchen Stellen könnte man beinahe den Eindruck gewinnen, sich im
Schwarzwald zu befinden.
Doch
viel kräftiger als in heimischen Gefilden liegt hier der Duft von
frischen Pilzen in der Luft.
Nunzio erklärt uns, dass wir nahe an den Bäumen nach den edlen
Gewächsen suchen müssen. Wir durchstreifen den nach Kräutern, Nadeln
und Moos duftenden Wald, stapfen wagemutig durchs Dickicht – und werden
bald
fündig.
Am Ende des Tages tragen wir stolz zwei Körbe sattbrauner Steinpilze
ins Dorf. Anerkennend klopft Nunzio den Teilnehmern auf die Schulter.
Im Kopf malen sie sich bereits das Menü des nächsten Tages aus:
Tagliatelle mit frischen Steinpilzen, dazu ein Glas des kräftigen roten
Cirò Rosso, des bekanntesten Weins der Region. Danach werden wir am
Strand von Santa Caterina sitzen und in den Sternenhimmel blicken, der
hier nachts mindestens ebenso kräftig leuchtet wie tagsüber die Sonne –
ein wahrhaft kalabresischer Moment!
Information: www.santacaterinaionio.it
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