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Kroatien: Schätze im und rund um den Silbersee

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zadar1Leben wie Gott in Kroatien: strahlend blaue Adria, Berge von gutem Essen, Menschen, die Feste feiern. Beobachtungen im Schlaraffenland, auf der Reise von Zagreb nach Split mit Halt in zwei Nationalparks.
Man trinkt Kaffee. Zu jeder Tageszeit, und vor allem am Samstagmittag im Stadtzentrum, auch, um «Sehen und gesehen werden» zu spielen. Auch wenn Stadtführerin Dora Fila aus Zagreb sagt: «Wir Kroaten sind halt noch nicht so entspannt», zelebriert das einst kommunistische Land das Leben auf eine Weise, bei der jeder noch so abgebrühte Tourist neidisch wird.

Die Reise von Zagreb nach Split über Zadar mit Zwischenstopps in zwei Nationalparks ist wie Ferien im Schlaraffenland. Landschaft, Leute und Essen tragen dazu bei. Besonders die Kroaten, die sagen: «Wir sind laut und wollen Feste feiern.» So lärmig geht es dann aber gar nicht zu und her in Zagreb, im Gegenteil. Nur auf der von Cafés gesäumten Strasse Tkalciceva schimmert die Extravertiertheit der Kroaten durch: Wie auf einem Laufsteg spazieren junge, schöne Menschen mit sorgfältig ausgesuchter Kleidung hin und her.

Die lustigste von Dora Filas Touren ist «Do You Speak Croatian?»: Etwa zwanzig kroatische Wörter bringt die Lehrerin, die fliessend Deutsch und Englisch spricht, dem Zagreb-Interessierten bei, bevor sie durch dieses Mini-Wien läuft. Erzählt, wie ein Beamter jeden Abend die über 200 Gaslaternen mit einem Stab entzündet, warum die barocke Katerinenkirche Barbie-Kirche genannt wird (wegen der rosa Decke mit zuckersüssen Engeln), und dass die Einwohner von Zagreb manchmal extra ins Dorf Samobor fahren, nur um eine «kremsnita» zu essen.

Durch die Prärie zum See
Auf dem Weg nach Zadar reitet dann Winnetou neben dem Reisebus her. Das kann man sich zumindest gut vorstellen: Der Nationalpark Plitzwitzer Seen war Schauplatz zahlreicher Karl-May-Filme. In den 60er-Jahren traf man sich ausser zu Spaghetti-Western-Dreharbeiten hier auch zum Campen, zum Baden oder zum Fischen.
Das Vergnügen des unachtsamen Menschen brachte das komplizierte ökologische System der Karstlandschaft durcheinander – deshalb ist heute so ziemlich alles verboten. Ausser heiraten: Manchmal lassen sich kroatische Paare unter dem Wasserfall trauen.
Apropos Angelverbot: Den Schatz im Silbersee gibts heute nur noch für die Bären. Furchtlos tummeln sich Hunderte Fische am Rand der Gewässer und warten darauf, dass sich Wanderer ihrer erbarmen und Futter ins glasklare Wasser werfen. In der Nacht kommen die Wildtiere – auch Wölfe – ans Wasser. Und verschwinden, bevor die erste Führung durch den Park um sieben Uhr morgens losgeht. Kein Wunder, dass Fuchs und Has abhauen, sobald der Nationalpark die Tore öffnet: Durch diese schreiten täglich 9000, im Sommer 10'000 Menschen.

Unendliche Musik
Die Gegend rund um Zadar ist steinreich – im ursprünglichen Sinne. Und wunderschön dazu. Auch darum waren alle mal hier in dieser Stadt, die auf einer Halbinsel erbaut wurde: die Römer, die Venezianer, die Österreicher. Den Jugendlichen, die an der Hafenpromenade herumhingen und dabei die Sitzgelegenheiten zerstörten, ist die Hauptattraktion Zadars zu verdanken: Ein einheimischer Architekt baute unscheinbare Stufen zum Sitzen so an die Promenade, dass bei jedem Wellenschlag Orgelklänge ertönen. Dieses unendliche Musikstück verzaubert derart, dass man den Hafen am liebsten gar nie mehr verlassen möchte.
Das sollte man aber unbedingt: Im Stadtzentrum rund ums Forum Romanum – auch heute noch Marktplatz – wimmelt es von Gelaterias. Die besten Glacés gibts laut Einheimischen bei Donat, mitten im Zentrum.
Auf dem Weg runter nach Split empfiehlt sich der Nationalpark Krka. Der Spaziergang um einen See, immer mit gewaltigen Wasserfällen im Blickwinkel, ist ein Gang durch eine Art Dschungel. Ständig muss man sich daran erinnern: Das ist Kroatien, Europa!

Leben im Palast
Der Dschungeltraum findet in Split, das stark an Venedig erinnert, ein Ende. Dort tummeln sich nicht mal Fliegen auf dem Fischmarkt: Der findet im Gebäude statt, wo sich Schwefelbäder befinden. Der Geruch vertreibt die Insekten. Nicht aber die Menschen. Mitten in Split: Der Diokletianspalast, der heute Wohn- und Arbeitsraum für 3000 Menschen ist. Das Stadtleben findet zwischen römischen Säulen und des Kaisers Badewanne statt.

Nina Kobelt

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