Neue Boote: Segeln per Knopfdruck

Vision_46Schnittig zieht das Segelboot in der Bucht von Alacati in der türkischen Ägäis seine Bahn. "Wende!" Der Ruf zum Segelkommando schallt übers Deck, doch es bleibt merkwürdig ruhig. Es wird weder hektisch an Kurbeln gedreht, noch werden im Heck des Bootes hastig die Seiten gewechselt, weil das Schiff plötzlich auf den anderen Bug kippt. Nein, auf der Vision 46 blinzelt man weiter entspannt in die Sonne.

Lediglich ein feines Surren ist schließlich aus dem Wind herauszuhören, der die Segel flattern lässt, als nach dem Kommando des Skippers ein Motor anspringt und das Vorsegel langsam auf die andere Seite des Schiffes gezogen wird. Der Steuermann hat am Heck des Schiffes dazu einen Knopf des Trim Control Systems gedrückt und den Motor in Gang gesetzt, der nun die passenden Leinen aufwickelt und freigibt.

Segeln per Knopfdruck - das ist sicher nichts, womit sich Puristen anfreunden können. Für die meisten Segler ist Segeln immer auch körperliche Arbeit. Doch das neue Flaggschiff von Bavaria, die Vision 46, ist komplett auf Komfort ausgelegt, und auf Knopfdruck lässt sich an Bord noch mehr bedienen: So besitzt das Schiff ein Bug- und ein Heckstrahlruder, mit dem sich das Segelboot leicht an einen Steg manövrieren lässt. Auch das ist etwas, bei dem manche Segler die Nase rümpfen. Mit diesem Dock Control System lässt sich das Boot zudem auf der Stelle drehen oder in alle gewünschten Richtungen schieben.

Dass der Kunde König ist, ist bei Bavaria offenbar keine Floskel. Vor der Konstruktion hat die Werft aus dem fränkischen Giebelstadt europaweit bei sieben Workshops Kunden befragt, was sie bei einer Yacht ab 200.000 Euro immer schon an Bord haben wollten. Eine Initiative, die "im weltweiten Serienyachtbau einmalig war", sagt Peter Meyer, der seit fast 25 Jahren im Yachtgeschäft tätig ist und der die beiden technischen System mitentwickelt hat.

Die Charme-Offensive der Unternehmer liegt im gesellschaftlichen Wandel begründet. Die Eigner werden älter, die Boote größer, die Häfen voller. Ideen für Erleichterungen, um das Boot im Hafen oder außerhalb zu manövrieren, sind bei vielen Seglern gern gesehen. Und durch die Einführung elektronischer Seekarten, mit deren Hilfe sich an kleinen Monitoren die Route planen lässt, werden Seekarten aus Papier nach und nach überflüssig - und damit auch der über Jahrzehnte unter Deck stets fest eingeplante Navigationstisch.

Diesem Trend trägt die Vision 46 Rechnung. Dort, wo bei Segelbooten der Kartentisch vorgesehen ist, befindet sich die Bordtoilette. Traditionalisten müssen dennoch nicht darben. Der Tisch ist ausklappbar, indem man von einem Teil der Sitzgruppe unter Deck das Polster abnimmt und die darunter liegende Auflagefläche nach oben zieht.

Bavaria gelang der Kunstgriff, aus dem begrenzten Platz und recht starren Raumkonzept neue Ideen zu entwickeln. Befindet sich die Spüle traditionell an der Backbordwand, so findet man sie auf diesem Schiff gleich neben dem Niedergang. So kann man das schmutzige Geschirr vom Abendessen an Deck kurz zwischenlagern und den Sonnenuntergang genießen, bevor abgewaschen wird. Die Yachtbauer haben sich dem Konzept der Praktikabilität verschrieben, weil jenen komfortablen Dingen Vorrang eingeräumt wird, die zur Kaufentscheidung mutmaßlich beitragen.

Jeder, der regelmäßig segelt, weiß aus leidvoller Erfahrung: Etwas, das an Bord am falschen Platz ist, stört auf Dauer, weil man bei den ewig gleichen kurzen Wegen auf einem zehn bis 15 Meter langen Schiff immer wieder an den selben Stellen hängen bleibt, sich den Kopf stößt oder an gewissen Stellen nicht ohne Verrenkungen herankommt.

Bei Seegang wirken sich solche Fehlplanungen doppelt aus. Immer wieder bemängelt werden eine zu schwache Ankerkette, ein zu schmaler Niedergang oder ein zu enges Cockpit. Das hat Wolfgang Wolz festgestellt. Er muss es wissen. Er überführt regelmäßig Yachten verschiedenster Hersteller und hat so bisher 150.000 Seemeilen zurückgelegt. Wolz ist von den neuen Konzepten der Bavaria Vision 46 überzeugt. "Hier hat man sich einmal tief greifende Gedanken gemacht", sagt er.

Die schwierigste Aufgabe der Designer war es, die verschiedenen Bedürfnisse der Geschlechter aufeinander abzustimmen. Frauen an Bord bewerten das Schiff vor allem in Bezug auf Komfort, wohingegen die Männer "eher auf das Seglerische und die Technik Wert legen", sagt Bavaria-Berater Meyer. Das heißt allerdings nicht, dass das weibliche Geschlecht untätig ist. "Die Frauen sind in der Regel diejenigen, die beim Anlegemanöver die Festmacher bedienen müssen, während der Steuermann zum Beispiel bei Seitenwind versucht, das Schiff an den Steg zu bringen", sagt Berater Meyer. Offenbar sieht nicht nur er die Rollen klassisch verteilt, der Workshop bestätigte Meyers Thesen. Das Ergebnis ist das Dock Control System, mit dem der Mann an Bord nun gleichzeitig Herr der Technik ist, während die Frauen entspannt zuschauen dürfen.

Der Komfort hat seinen Preis. Rund 208.000 Euro kostet die Basisversion der Vision 46. Das Schiff mit einer Gesamtlänge von knapp 14 Metern ist das erste Modell einer exklusiven Yachtlinie des Herstellers, das auf High-End-Design ausgelegt ist. Die Yacht gibt es mit vier oder sechs Kojen in zwei oder drei Kabinen. Gesteuert wird vom Cockpit aus mit einer Besegelung von 100 Quadratmetern ("Comfort") oder 103 Quadratmetern("Sport"), bei einer Masthöhe über der Wasserlinie von etwa 20,10 Meter. Die Gestaltung der neuen Bavaria Vision 46 kommt dabei von Farr Design, einer Yachtdesign-Firma, die weltweit großes Renommee hat.

Den bequemen Automatismen an Bord sollen kaum Grenzen gesetzt werden. So ist schon geplant, dass sich künftig auf der Vision 46 bei der Knopfdruck-Wende gleichzeitig auch das Ruder mitdreht. Da muss man derzeit noch selber Hand anlegen. Ob Seglern diese Gefälligkeit behagt, oder ob sie das Gefühl haben, dass ihnen zuviel abgenommen wird, muss sich erst noch zeigen. Außerdem muss man sich den Komfort auch leisten können: Mit allen Extras kostet die Vision 46 heute schon 350.000 Euro.

Text mit freundlicher Genehmigung Welt-Online



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